In Zeiten wie diesen ist es so gut wie unmöglich, das Rad neu zu erfinden. Manchen Menschen gelingt das jedoch, wie eine neue Lichtgeneration beweist. Nicht umsonst ist die Glühbirne das Symbol für eine gute Idee. Daran hätte sogar Edison noch seine Freude gehabt.
Zwei Jahre hat es wieder gedauert, bis sich Architekten und Planer so richtig ins leuchtende Getümmel werfen konnten, um auf der weltweit größten Messe für Lichttechnik und Gebäudeautomation den neuesten Stand der Dinge in Erfahrung zu bringen. Die Besucher der diesjährigen Light + Building in Frankfurt wurden nicht enttäuscht: Es gibt sie tatsächlich, die Neuheiten, mit der Garantie, nicht aus einer verstaubten Schublade hervorgekramt zu sein.
Die Zukunft heißt LED
Wie wir ja alle schon gemutmaßt haben, handelt es sich bei der Energiesparlampe tatsächlich um eine Übergangslösung. Diese ist zwar nach wie vor aktuell als provisorischer Brückenschlag zwischen Vergangenheit und Zukunft der Beleuchtungsindustrie, jedoch wird so gut wie kein Wort darüber verloren. Das, was vor uns liegt, hat immerhin schon einen Namen, den jeder kennt – LED, also Light Emitting Diode –, aber das wahre Potenzial für die zukünftigen Nutzer kommt jetzt erst an die Oberfläche. Und man darf sich freuen, denn es stehen – zumindest was die Beleuchtung betrifft – herzhaft glühende Zeiten bevor. Die erste Lichtleitmesse seit dem Aussprechen des Glühlampenverbots war schon im Vorfeld brennendes Thema in der Branche: Wird die LED wirklich als Zukunftsmodell durchsetzen? Wird es Alternativen geben? Braucht man die überhaupt? Und wie werden die Designer mit dem neuen Leuchtmittel umgehen? Für all diese Fragen gab es eine Antwort – eine befriedigende, wohlgemerkt.
LED wird sich vor allem in drei Bereichen etablieren: In der Lichtinszenierung, in der individuellen Lichtsteuerung und als adäquater Ersatz für die Glühlampe. Möglich ist das durch die rekordverdächtige Weiterentwicklung der LED, die in den Jahren zuvor als zu elitär, zu teuer und damit als unerschwinglich für die Massenproduktion galt. Über diesen Umstand, dass LED nun für alle eine Option sein wird, kann so mancher nur lächeln wie beispielsweise der Münchner Lichtdesigner Ingo Maurer, der als einer der ersten das wahre Können der LED erkannte und nie damit aufgehört hat, sich damit intensiv zu beschäftigen. Für ihn macht sich dieser Vorsprung als Designer allerdings sehr bezahlt, denn er ist den meisten schon um Lichtjahre voraus. Fakt aber ist: Die LED wird nun überall zuhause sein – in Shops, Restaurants, in Büros und Wohnungen, aber auch in der Straßen- und Fassadenbeleuchtung.
Wunderlampe
Ihre Lebenserwartung beträgt 50.000 Stunden. Das bedeutet fünf Jahre lang 24-Stunden-Einsatz. Sie ist zum einen, was sie immer schon war – klein -, aber sie ist jetzt auch kostengünstig und energieeffizient. Und sie muss nicht ausgetauscht werden, was so manchen Benutzer misstrauisch macht. Doch die Skepsis findet in der Realität keinen Nährboden und wird insbesondere durch das Vertrauen der Hersteller wie zum Beispiel Zumtobel, die auf ihre LED-Produkte fünf Jahre Garantie geben, völlig entkräftet. Durch die LED-Technologie entsteht aber auch ganz Palette neuer Möglichkeiten, Licht in Szene zu setzen. Mit leicht bedienbare Lichtsteuerungswerkzeuge soll das zu einem echten Kinderspiel werden, bei dem man nicht schon an der Gebrauchsanweisung scheitert. Daher präsentierten einige Hersteller intuitiv zu bedienende Elemente, über die sich die Beleuchtung je nach Lust und Laune einstellen lässt. Auch das Handy wird dabei eine immer größere Rolle spielen.
Weiters ist ein geschickter, gestalterischer Umgang mit einem effizienten Kühlsystem Gang und Gebe sowie der Einsatz von LED-Chips, die einfach bei Bedarf ausgewechselt werden können und preislich moderat sind. Auch Leuchten-Klassiker haben nicht das Nachsehen: Zahlreiche Hersteller haben ihre Modelle bereits auf die neue Lichttechnologie umrüsten lassen. Was dabei natürlich ein wesentlicher Punkt ist, ist, dass die LED eine echte Alternative zur herkömmlichen Glühlampe sein muss. Eine Anforderung, die sehr hoch ist. Doch die Alleskönnerin stellt sich auch dieser schwierigen Herausforderung und spendet im Gegensatz zur Energiesparlampe einwandfrei warmes, weißes Licht, das noch dazu dimmbar ist. Hersteller wie Ledon und Philips bieten sogar LED-basierte Leuchtmittel in altbekannter Glühbirnenform und mit klassischer E27-Fassung an. Das wird den endgültigen Abschied vom Glühdraht schließlich erleichtern.
Noch ein Schritt weiter
Doch es wäre nicht die erfolgsgesteuerte Industrie, wenn sie nicht versuchen würde sich selbst zu überholen. Während sich nun alles ganz euphorisch auf LEDs einstellt, so wird im Hintergrund schon an der nächsten Generation gearbeitet, die den Namen OLED – Organic Light Emitting Diodes – trägt. Wieder ist das Szenario dasselbe: Während die LED vor zwei Jahren noch keinen festen Boden unter den Füßen spürte und fast prototypenhaft von ein paar Designern verwendet wurde, so ist nun die OLED an der Reihe, diese Rolle zu übernehmen. Allen voran wieder Ingo Maurer, der auf der Light + Building gleich mehrere Leuchten mit dieser zukunftsträchtigen Technologie vorstellte. Auch Zumtobel oder der belgische Leuchtenhersteller Modular Lighting Instruments wagten erste Schritte in Richtung dieser prognostizierten Zukunft. Dem neuen, noch energieeffizienteren, flächigen Licht wird eine große Karriere vorausgesagt.
So kann es natürlich sein, dass wir in zwei Jahren bei der Light + Building 2012 wieder überrascht werden mit etwas, das heute noch in seinen Kinderschuhen steckt. Das große Gestaltungsspektrum der LED wird jedenfalls alle Architekten und Designer ziemlich herausfordern – nicht nur bei der Gestaltung, sondern auch dabei, das Leuchtmittel so richtig kennen zu lernen. Die Aufbruchstimmung tut gut, denn wenigstens gibt es zur Abwechslung in dieser Branche eine strahlende Zukunft am Ende eines Tunnels. (Klaus Rösel)
www.ewo.com
www.ingo-maurer.com
www.lighting.philips.com
www.moltoluce.com
www.ribag-licht.com
www.siteco.de
www.supermodular.com
www.tobias-grau.com
www.toshiba.co.jp/lighting
www.xal.com
www.zumtobel.com