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Grenzen auf Zeit

Teilen kann so schön sein: Raumteiler werden immer öfter zu wertvollen Einrichtungsgegenständen, zum eigenständigen Möbelstück, auf das keiner mehr verzichten will. Wenn der Bewohner selbst zum Architekten wird – eine Inspiration.

 

 

Buzziscreen von Buzzispace.

Raumteiler sind eine wunderbare Sache: Schnell aufgebaut, schnell abgebaut, einmal da und einmal dort. Sie verlangen weder nach einem Eingriff in die Baulichkeiten noch sind sie an eine bestimmte Funktion gebunden und können sowohl im Büro als auch zuhause eingesetzt werden. Da man in der Architektur immer mehr nach dem durchgängigen Fluss des Raumes sucht, was sich in den Grundrissen von Wohnbauten und Gewerbeimmobilien stark widerspiegelt, wird es gleichzeitig zur Notwendigkeit, für die sich darin bewegenden Menschen Zonen und Nischen zu schaffen, in die sie sich zurückziehen können. Daran führt kein Weg vorbei, denn der Mensch hat ab und zu das Bedürfnis sich einzuigeln und ein paar Momente – konzentrierte oder ganz entspannte – für sich zu sein. Raumteiler können dieses Gefühl erzeugen, ohne für die Ewigkeit installiert werden zu müssen, und sie verleihen immer noch das Gefühl, dass das Darüber so schön offen ist, wie man es ohnehin gerne immer hätte.

 

 

 

Luminoso von Litwork.

Geteilte Freud´  

Räume zu teilen, ohne Wände einziehen zu müssen, ist kein Privileg. Raumteiler können immer und überall aufgestellt werden und erfüllen dabei eine ganz klare Funktion: Sie bieten Schutz. Je nach Modell und Material erfolgt das auf verschiedene Art und Weise. Auch der Kreativität werden keinerlei Grenzen gesetzt, liegt es doch in erster Linie im Auge des Betrachters, womit er sich abschirmen will. In einem Raum, der möglichst viele Funktionen vereinen soll, wie zum Beispiel Wohnen, Essen, Kochen und vielleicht

Macedonia von Freedom of Creation.

 sogar Schlafen, können Raumteiler temporär für Ordnung und Ruhe sorgen. Das Prinzip ist geradezu prädestiniert für moderne Citylofts, wo sich die Wege und Aktionsradien der einzelnen Familienmitglieder ständig kreuzen, genauso wie für Klein- und Kleinstwohnungen mit nur wenigen Quadratmetern Nutzfläche, die in einem Raum sämtliche Lebensbereiche unterbringen müssen. Im Handumdrehen kann man die Wohnung aufgeräumt aussehen lassen, den Arbeitsbereich verschwinden lassen und damit am Abend das Homeoffice aus der Wohnung „verbannen“, oder sich mit seinen Gästen unterhalten, während die Kinder nebenan – und doch im selben Raum – spielen. Hat man wieder das Bedürfnis nach der großen offenen Weite, packt man die Wand, die keine ist, einfach wieder weg.

 

 

Silk von Koziol.

Luftige Hängerchen  

Der Möbelhandel bietet einiges an Schönheiten und Kuriositäten, die jede Möglichkeit, den Raum neu zu definieren, offen lassen. Meist sind es modulare Aufbauten, deren Länge, Höhe und manchmal auch Tiefe man steuern kann. Die Auswahl ist groß und reicht von komplett blickdichten Paneelen über transparente Strukturen bis hin zum Regalklassiker, der noch den zusätzlichen Nutzen des Stauraumes erfüllt. Ein echter Klassiker unter den Raumteilern sind die Algues von Vitra, ein Entwurf der französischen Designer-Brüder Ronan und Erwan Bouroullec. Das System besteht aus dreidimensionalen, innenarchitektonischen Bausteinen, die zugleich als dekorative Elemente mit filigraner Transparenz fungieren. Die an Pflanzen erinnernden Kunststoffteile, im Spritzgussverfahren hergestellt, lassen sich zu gewebeartigen Strukturen miteinander verketten - vom leichten Vorhang bis zum undurchdringlich dichten Dickicht. Für einen Quadratmeter leichte Netzstruktur werden 25 Algues benötigt. Ebenso fragil und transparent wirkt das modulare Hängesystem Silk des deutschen Herstellers Koziol, der sich unter anderem über frisch-fröhliche Farbintensität profiliert. Beide Modelle, die aus einzelnen floralen Ornamenten bestehen, lassen sich leicht selbst und in genau der nötigen Größe zusammenfügen wie ein Stück Handarbeit, das die eigene Fantasie fordert. Auch der italienische Produzent Quia lässt seinen Raumteiler Cameo von der Decke baumeln, allerdings noch einen Touch eleganter und mondäner, denn die Elemente sind aus feinem Leder gestanzt.

 

 

Sticks von Extremis.

Aus dem Boden gestampft  

Doch alles Gute kommt nicht nur von oben, sondern kann auch aus dem Fußboden wachsen. Der große Vorteil dabei: Man kann den Standort verändern. Dazu gehört zum Beispiel die leuchtende Variante Sticks des belgischen Outdoorspezialisten Extremis. Mit ihrer zweifachen Funktion als Raumteiler und Lichtquelle mutet sie wie ein strahlender Strauch an und schafft besonders am Abend eine spezielle Atmosphäre. Wer es lieber blickdicht, unaufdringlich und schallabsorbierend mag, ist mit der aus PET und Hartkarton hergestellten und nur 1,2 Meter hohen Faltwand Buzzizone von Buzzispace gut beraten. Sie ist mit ihren insgesamt 24 Kilogramm nicht nur ein absolutes Leichtgewicht, das ganz ohne Kraftaufwand anderswo positioniert werden kann, sondern kann auch als Pinnwand in vielen verschiedenen Farben verwendet werden. Farbenfroh, aber vor allem auch modular erweiterbar, präsentiert sich auch das in Hexagonen aufgelöste Gebilde Macedonia des finnischen Designers Janne Kyttanen, das er für FOC - Freedom of Creation entworfen hat. Wer mit Kunststoff, Karton, Leder oder Röhrchen nicht am Hut hat, dem bleibt schließlich noch die Option, mit klassischen Elementen zu operieren, sei es mit Stoffbahnen wie zum Beispiel Panel von Nya Nordiska oder mit einem ganzheitlichen, dekorativen Element wie Luminoso vom Vorarlberger Unternehmen Litwork, eine reizvolle Kombination von Holz und Licht. Zwischen die hochfest verklebten Holzschichten sind Lichtleitfasern eingearbeitet, die aus dem Raumteiler einen multifunktionalen Einrichtungsgegenstand machen. Es ist und bleibt eine Frage des persönlichen Geschmacks.

 

 

Cameo von Quia.

Mit diesen frischen Ideen lassen sich nun Räume leicht umgestalten und neu definieren. Egal in welcher Form, Größe, Ausführung und Intensität man die Fläche teilen möchte: Das Schöne ist, dass die Freiheit bleibt.  

 

www.buzzispace.com

www.extremis.be

www.freedomofcreation.com

www.koziol-gluecksfabrik.de

www.luminoso.at

www.nya.com

www.quia.it

www.vitra.com

 

 Text: Barbara Jahn