wohninsider: Sie wollen dem Thema Schlafplatzgestaltung jetzt mit Hilfe der modernen Wissenschaft auf den Grund gehen. Ist nicht schon alles - oder sagen wir einmal vieles - bereits erforscht? Weiß man über den Schlaf nicht ohnehin schon genug?
Hans Leopold Malzl: Ich habe mich früh für den richtigen Schlaf zu interessieren begonnen, als ich noch das Schlaf- und Wirbelsäulenzentrum des Salzburger Gesundheitshauses leitete. Damals sahen wir die Dinge rein aus therapeutischer Sicht und stellten uns folgende Fragen? In welchem Bett sind unsere Patienten am Besten aufgehoben? Wie müssen Matratze und Kopfkissen gebaut sein, um jedem Menschen zu Wohlbefinden und zu einem beschwerdefreien Schlaf zu verhelfen? Meine Recherchen in diese Richtungen waren erschreckend. Nahezu jeder Mediziner oder Therapeut meinte, ein hartes Bett sei gesund. Oft erhielt man den berühmten Tipp: "Leg dir ein Brett ins Bett oder häng eine Tür aus!" Auch erhielt man häufig den wenig hilfreichen Rat, ein Bett solle nicht zu hart und nicht zu weich sein. Was sollten Konsumenten also mit solchen Ratschlägen wirklich anfangen? Kein Wunder wenn sie sich da völlig im Regen stehen gelassen fühlten und sich über die Jahre Verunsicherung und Ratlosigkeit breit machten. Auch ist vielen immer noch die oft gehörte Aussage im Ohr, der durchschnittliche Schläfer drehe sich 40 bis 60 Mal während der Nacht in seinem Bett. Ich habe auch schon weit höhere Zahlen gelesen. Dieser in diesem wichtigen Gesundheitsbereich große Informations-Wirrwarr und die Tatsache, dass bis zum damaligen Zeitpunkt dieses Thema wissenschaftlich kaum bearbeitet wurde, veranlassten uns, selbst Hand anzulegen und mit eigenen Forschungen zu beginnen. Das war die Geburtsstunde der heutigen "Physikalischen Schlafforschung".
wohninsider: Ihre Forschungsarbeit dehnen Sie jetzt ja sogar auf Universitäten in den USA aus?
H.L. Malzl: Ja, bisher haben wir mit wissenschaftlich begrenzten Mittel arbeiten müssen, weil Schlaflabore teuer und meist völlig ausgelastet sind. Wir konnten aber über all die Jahre in der "Empirischen Forschung" sehr viel tun und verfügen heute über wertvolles Datenmaterial und auch schon über genügend Erkenntnisse, die nun den Einstieg in die universitäre Forschung erleichtern.
wohninsider: Was kann man sich unter einer solchen "Empirischen Forschung" vorstellen?
H.L. Malzl: Jedes Einzelexperiment startet mit einem umfangreichen Fragebogen. So wissen wir vor jeder "Schlafplatzsanierung" - so nennen wir das - unter welchen Befindlichkeitsstörungen die Test-Person leidet. Dabei interessieren uns wirklich viele Details, weil wir die Wechselbeziehungen zwischen Lebens- und Schlafgewohnheiten und der vorhandenen Schlafqualität in Relation bringen möchten. Während dieser Experimente, also in der Phase, in der ein Schlafplatz saniert wird, werten wir die Zwischenergebnisse aus, sodass weitere richtige Maßnahmen gesetzt werden können. Diese experimentelle Forschungsarbeit brachte uns in die Lage, Methoden und Techniken für eine effiziente Schlafplatzsanierung zu entwickeln, die heute der einschlägigen Matratzen-Industrie zugutekommen.
wohninsider: Wieweit wird die Medizin und die Ärzteschaft in Ihre Arbeit eingebunden?
H.L. Malzl: Mit dem Sitz des Instituts Proschlaf im Salzburger Ärztezentrum Schallmoos konnte schon von Anfang an der so notwendige Schulterschluss mit den medizinischen Versorgungsstrukturen geschaffen werden. Heute arbeiten wir in einem engen Netzwerk mit Ärzten, Schlafforschern und Psychologen. Besonders die Physikalische Medizin, vertreten durch Prim. Dr. Andreas Kainz D.O., ist an unserer Arbeit sehr interessiert und liefert eine wichtige Grundlage für die "Physikalische Schlafforschung".
wohninsider: Welche wissenschaftlichen Ziele verfolgen Sie mit Ihrem neuen Forschungsprojekt?
H.L. Malzl: Uns interessiert was im Körper während der Nacht mechanisch passiert und wie sich diese Geschehnisse auf die Schlafqualität auswirken. Bisher wurde in der medizinischen Schlafforschung sehr viel geleistet. Man weiß heute fast alles über den Schlaf und wie er sich psychisch darstellt. Auch in der Physikalischen und Orthopädischen Medizin gibt es viele äußerst wertvolle Errungenschaften. Aber wieweit die mechanische Welt in der Nacht unsere psychische Welt beeinflusst und wieweit sie auch für viele Schlafdefizite verantwortlich ist, dazu wurde bisher kaum geforscht. Mit der Physikalischen Schlafforschung des Instituts Proschlaf und den nun geplanten Ausdehnungen auf die universitäre Ebene konnte hier sicherlich ein wichtiger Vorstoß erzielt werden.