02.2026 | April/Mai | wohninsider.at 21 BRANCHENTALK Fotos: wohninsider Gerhard, 16 Jahre wohninsider. Was siehst du im Rückspiegel? Gerhard Habliczek: Die Branche verändert sich. Ob das zum Besten ist, kann ich nicht sagen. Nicht nur in der Möbelbranche, in der gesamten Wirtschaft schlucken die Großen die Kleinen und die Kleinen werden immer weniger. Das betrifft Konzerne und Handel, aber auch Verbände. Was hat das für einen Einfluss auf den Markt? Die Produkte werden einheitlicher. Auf der anderen Seite ist aber genau das eine Chance für die Kleinen, weil sie sich Nischen suchen können, um dort zu reüssieren. Viele vergeben aber diese Chance, machen weiterhin Business as usual … Das ist die Bürde des Tagesgeschäfts. Um wirkliches Marketing, neue Strukturen oder Ideen zu entwickeln und sie dann schließlich auch umzusetzen, müsste man sich ein bis zweimal in der Woche, nach Geschäftsschluss, nochmal für 1-2 Stunden hinsetzen und mit den Mitarbeitern brainstormen. Leichter gesagt als getan, das ist mir klar. Meines Erachtens wird aber stattdessen in erster Linie der Mitbewerb beobachtet und dann kopiert. Das ist ein großer Fehler, denn es braucht eigene Ideen, die authentisch zum jeweiligen Geschäft/zur Person passen. Nochmals der Blick zurück: Was hat dich gerade in diese Branche gezogen und warum hast du dich dann letztendlich selbstständig gemacht? Ich bin Mitte der 1980er Jahren als Lokaljournalist nach Wien gekommen, hab damals beim Erb-Verlag ein B2B-Magazin für die Elektrobranche geführt. Über die Weißware bin ich dann in die Einrichtungsbranche gerutscht, und hab mich mit einer Textagentur selbstständig gemacht. Was würdest du rückblickend anders machen? Im Großen und Ganzen nichts. Ich würde es aus heutiger Sicht vermutlich größer aufziehen, mit Blick ins Ausland. Damals hat mich aber auch das Tagesgeschäft eingeholt. Wird es aus deiner Sicht den Möbel-/ Küchen-Fachhandel in 15 Jahren noch geben? Ich denke das Wort „Handel“ verliert an Bedeutung. Was zählt, ist die Dienstleistung, das Planen, der Einbau, die Lieferung, der Service. Das ist wirklich stark im Kommen, glaub ich. Denn die Produkte kann man überall kaufen. Geht das dann in eine persönliche Beziehung, wie von Nina Schulmeister damals erzählt, dass man gemeinsam mit den Kunden Abendessen geht, sich persönliche Probleme erzählt … 100 prozentig. Ich hatte unlängst ein Gespräch mit einem Küchenstudio-Betreiber, der 35 Jahre in der Branche erfolgreich ist, und er erzählte, er reißt jetzt die Küchen bei seinen Kunden raus, die er ihnen vor 20 Jahren gemacht hat (siehe auch Seite 48). Was zählt, sind die Beziehungen, der Standort, das Netzwerk. Das wird immer wichtiger, und genau das ist auch die Stärke eines kleinen Händlers. Beim Preis muss und kann er nicht mitspielen. Würdest du einer jungen Person heute raten, in ein Küchen- oder Möbelstudio einzusteigen? Oder eines zu übernehmen? Er oder sie muss es wirklich wollen. Das ist das Um und Auf. Man muss von der Sache, die man macht, begeistert sein. Konfuzius meinte schon: "Wenn du die Arbeit liebst, die du machst, dann musst du nie mehr arbeiten." Jeder, der das, was er tut, mit Begeisterung macht, wird Erfolg haben. Davon bin ich fest überzeugt! Die Zeiten sind geprägt von Umschwüngen und Veränderungen, vor 14 Jahren war das Internet der Endgegner, heute gibt es mit der Künstlichen Intelligenz eine noch größere Macht. Wie siehst du das, bzw. wie sollte man damit umgehen? Der Online-Auftritt, der von vielen Handelspartnern aktuell gemacht wird, geht m.A. in die falsche Richtung. Alle orientieren sich danach, dass sie weit oben bei Google gerankt sind. Aber immer weniger Konsumenten suchen über Google. Viel mehr müsste man heute dort gefunden werden, wo die KI sucht. Dazu ist ein anderes Wording vonnöten. Die Möbelbranche ist da sehr weit hinten. Das wird jedoch der neue Standard, davon bin ich überzeugt. Wir sind da allgemein sehr weit hinten und weltweit betrachtet ist ganz Europa ein Museum: In Deutschland braucht man für den Bau einer(!) Brücke zehn Jahre. Bis dahin hat sich der gesamte Verkehr verändert. Das sieht in Asien ganz anders aus, in Japan gibt es zum Beispiel keinen Stau… Was würdest du dir diesbezüglich von der Regierung in Ö oder der EU wünschen? Ganz klar: einen Bürokratie-Abbau. Österreich ist Förderweltmeister. Gut, soll so »
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