wohninsider 2.2026

02.2026 | April/Mai | wohninsider.at 73 RAUM : OBJEKT mer schwieriger. Marken laden Verantwortung auf die Agent:innen ab, andererseits investieren die Händler:innen nicht mehr in die Kollektionen, sondern verlassen sich darauf, dass sie und ihre Kund:innen von uns betreut und beraten werden. Das ist weder fair noch wirtschaftlich tragbar. Die aktuellen Herausforderungen für den Handel stelle ich nicht in Abrede, aber es geht auch nicht, dass Agenturen die ganze Last alleine stemmen. Wohin und wie entwickelt sich die Branche? Wir befinden uns in einem Transformationsprozess. Alle müssen sich von der Vergangenheit lösen und zukunftsfit machen, nicht nur bei den Produkten. Im hochwertigen Preissegment sind Beratung und Service entscheidende Faktoren, dafür braucht es engagierte Profis und kompetente Mitarbeitende in den Einrichtungs- und Raumausstattungsbetrieben. Durch viele Entwicklungen hat sich in den letzten Jahren auch mein Arbeitsgebiet etwas verschoben, von der klassischen Vertriebs- und Agenturarbeit zunehmend in Richtung Matchmaking. Ich begrüße immer mehr Interior Designer:innen, die zwar Interesse und Designgespür haben, die Produkte aber nicht verarbeiten können, und andererseits Verarbeiter:innen, die in ihrem Arbeitsalltag keine Zeit für Trendrecherche und Kund:innenakquise finden. Diese beiden Kund:innen-Welten bringe ich zusammen. Das macht mir auch Spaß, es ist aber nicht meine ureigenste Aufgabe, gleichzeitig aber extrem wichtig, weil die exklusive Ware der Marken richtig verarbeitet werden muss. Diese Lücke zwischen Kreativen und Handwerksprofis fülle ich, auch weil ich nicht will, dass das Handwerk in wenigen Jahren ausgestorben ist. Außerdem wird das Service für die Marken immer umfangreicher. Es findet eine Evolution statt. Ist dies auch dem ganzheitlicheren Denk- und Gestaltungsansatz beim Interieur Design geschuldet? Kund:innen wollen sich nicht alle Einrichtungselemente zusammensuchen müssen, sondern alles aus einer Hand und Gestaltungsfeder. Es braucht daher ganzheitliche Lösungen, nicht nur für Textil und Wandgestaltung, sondern auch darüber hinaus. Ich sehe eine ambivalente, parallel verlaufende Entwicklung: Einerseits müssen sich Fachprofis nicht nur gut bei ihren Produkten und Marken auskennen, sondern auch viel besser als die Konsument:innen, die viele Informationen online oder mittels KI finden. Andererseits ist es richtig und wichtig, nicht nur, aber vor allem auch in puncto Produkte über den Tellerrand zu schauen. Braucht es mehr Engagement vom Fachhandel? Es braucht vor allem das richtige Tun, wieder mehr Interesse und wirkliche Partnerschaft. Ich spüre einen Hunger nach Textil, zumindest bei den etablierten Playern, weiß aber auch, dass die Zeiten herausfordernd sind. Ein unübersehbares Problem ist, dass Planer:innen für Einrichtung und vor allem textile Einrichtungselemente kaum Budgets bekommen. Dabei wäre das Geld bei den Konsument:innen durchaus da, wird aber lieber für Statussymbole als für Wohnen ausgegeben. Einige Textil- und Möbelmarken haben es geschafft, sich einen solchen Status zu erarbeiten, darüber hinaus legen österreichische Endkund:innen im internationalen Vergleich aber zu wenig Wertschätzung auf hochwertiges Interieur. Wie lässt sich textiles Interior Design zum Statussymbol machen? Alle suchen nach der „magischen Formel“. Die gibt es nicht. Bei Enkund:innen könnte, damit Textil wieder mehr stattfindet, der Hebel beim Utilitarismus angesetzt werden, indem man ihnen vermittelt, dass Stoffe kein Luxus, kein Lifestyle-Produkt sind, sondern einen räumlichen Zweck erfüllen. Dadurch erschließt sich ihnen die Bedeutung und sie spielen im nächsten Schritt mit der dekorativen Komponente, weil sie das Praktische mit dem Ästhetischen verbinden. Für die Branche ist sicher auch ein richtiger Schritt, sich mehr auf die „Basics“ zu besinnen und den Fokus auf jene Kund:innen zu legen, die hochwertige Produkte zu schätzen wissen und diese Begeisterung in ihrer Arbeit weitertragen, anstatt sich in immer mehr vermeintlichen „MustDos“ zu verlieren. Auch die Marken und Lieferanten sind gefordert. Die ganze Branche ist gefragt, gemeinsam die Wertschätzung für textiles Interior Design wiederzubeleben. www.swk-designs.com „Im hochwertigen Preissegment sind Beratung und Service entscheidende Faktoren, dafür braucht es engagierte Profis und kompetente Mitarbeitende in den Einrichtungs- und Raumausstattungsbetrieben.“ „Die ganze Branche ist gefragt, gemeinsam die Wertschätzung für textiles Interior Design wiederzubeleben.“ Hochwertiges Portfolio, Design-Expertise und gelebte Passion – mit alledem punktet der Handelsagent.

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