4_AugustSeptember2026

12 wohninsider.at | August/September | 04. 2026 TRAINING : WISSEN Achte auf deine Gedanken Sie bestimmen dein Leben. Warum Wellness im Kopf beginnt – und wie Sie abends wieder Ruhe finden. WEGE INS ERFOLG-REICH Eine Serie fü r Ihren Erfolg. Experten-Tipps von Mag. Gabriel Schandl, CSP, CMC Foto: © Gabriel Schandl Kennen Sie das? Der Verkaufstag war ordentlich, die Zahlen passen, der Kunde hat unterschrieben. Und trotzdem liegen Sie um halb eins wach und rechnen im Kopf durch, was morgen alles schiefgehen könnte. Willkommen im Club. Ich habe irgendwann festgestellt: Nicht die Ereignisse des Tages halten uns wach, sondern die Gespräche, die wir mit uns selbst führen. Und das sind manchmal wenig produktive Endlosschleifen. Diesen einen Riegel vorzuschieben, um ruhig einschlafen zu können, ist machbar, wenn man weiß, wie. DER FEIERABEND IST EINE ENTSCHEIDUNG, KEIN ZEITPUNKT Wir tun so, als würde der Kopf um 18 Uhr automatisch die Rollläden runterlassen. Tut er nicht. Ein Geschäftsführer, den ich begleitet habe, sagte einmal einen Satz, der hängen geblieben ist: „Ich nehme abends zwölf Mitarbeiter im Kopf mit ins Bett – und keiner davon schläft.“ Abschalten ist keine Fähigkeit, mit der man geboren wird. Es ist ein Handwerk. Und wie jedes Handwerk braucht es Werkzeug und Übung, nicht Talent. Das erste Werkzeug ist banal und wirkt trotzdem: ein klarer Schnitt. Ein Ritual, das dem Gehirn sagt, jetzt ist Schluss. Bei dem einen ist es der Weg vom Parkplatz zur Haustür, den er bewusst als Grenze nutzt. Bei der anderen sind es fünf Minuten, in denen sie aufschreibt, was morgen dran ist – damit es aus dem Kopf und aufs Papier wandert. Das Gehirn hält nämlich nur so lange an einer Sorge fest, wie es glaubt, sie sonst zu vergessen. Notiert ist entlastet. MINDSET MATTERS – AUCH WENN DER BEGRIFF ABGENUTZT IST Ich weiß, „Mindset“ steht mittlerweile auf jeder zweiten Kaffeetasse. Trotzdem stimmt der Kern: Nicht die Ereignisse selbst rauben uns den Schlaf, sondern unsere Bewertung davon. Zwei Verkäufer verlieren denselben Großauftrag. Der eine denkt: „Ich bin nicht gut genug.“ Der andere: „Interessant, was lerne ich daraus für den nächsten?“ Gleiches Ereignis, völlig verschiedene Bewertungen und somit Nächte. Der Unterschied liegt nicht in der Realität, sondern in der Frage, die sich jeder gestellt hat. Das ist ein großer mentaler Hebel, der sofort funktioniert: Achten Sie auf Ihre inneren Fragen. Was bedeutet das? DIE FRAGEN BESTIMMEN DIE ANTWORTEN Unser Kopf ist wie ein übereifriger Praktikant: Er beantwortet jede Frage, die wir ihm stellen – auch die dummen. Wer sich fragt „Warum passiert das immer mir?“, bekommt garantiert eine (deprimierende) Liste. Der Praktikant liefert. Wer fragt „Was ist heute gelungen?“, bekommt eine andere Liste. Eine weit aufbauendere. Auch die liefert er. In meinen Coachings stelle ich oft die Frage: Was kannst du gut? Die ersten 3-5 Eigenschaften kommen relativ zügig, danach wird überlegt. Obwohl jeder mehr als 5 Stärken hat. Aber es zeigt, dass wir uns selten damit beschäftigen. Wer seine eigenen Stärken nicht kennt, kennt auch die seiner Kollegen, Mitarbeiter und Kunden nicht. Dort setzen wir an. Damit wird nicht nur der Abend entlastet, sondern schon der vorhergehende Tag. Das sind die ersten, aber wesentlichen Schritte für mehr Leistungsglück und weniger Leistungsdruck. Noch konkreter, weil es wirklich ein Tool ist, das funktioniert: Die Fragen bestimmen die Antworten, die Antworten bestimmen die Gefühle, und die Gefühle bestimmen, ob Sie um zwei Uhr grübeln oder schlafen. Deshalb lohnt es sich, abends die Fragen zu wechseln. Statt „Was habe ich alles nicht geschafft?“ lieber „Was war heute richtig gut?“ Klingt simpel. Ist es auch. Wirkt trotzdem. Deshalb die Empfehlung, genau dort zu beginnen, in unserem Kopf. Das funktioniert übrigens auch sehr gut am Morgen, beim (hoffentlich erfrischten) Aufwachen: „Worauf freue ich mich?“ oder „Wem kann ich heute Gutes tun?“ lassen schneller aufstehen als „Wozu muss ich schon wieder in die Arbeit?“ DANKBARKEIT IST KEIN WELLNESSKITSCH, SONDERN GEGENGIFT Sorge und Dankbarkeit können nicht gleichzeitig im selben Kopf wohnen – sie vertragen sich einfach nicht. Wer abends drei Dinge findet, für die er dankbar ist, drängt die Sorge nicht mit Gewalt weg, sondern besetzt den Platz. Das ist keine Esoterik, das ist Verdrängung im besten Sinne. Und es müssen keine großen Dinge sein: ein Kollege, der mitgedacht hat. Ein Kunde, der gelacht hat. Die Tatsache, dass die Lieferung diesmal pünkt- "Sorge und Dankbarkeit können nicht gleichzeitig im selben Kopf wohnen – sie vertragen sich einfach nicht." Gabriel Schandl, Seminarleiter, Speaker & Coach

RkJQdWJsaXNoZXIy NDA0NA==