18 wohninsider.at | Februar/März | 01. 2026 TRAINING : WISSEN WEGE INS ERFOLG-REICH Eine Serie fü r Ihren Erfolg. Experten-Tipps von Mag. Gabriel Schandl, CSP, CMC Katastrophe? Vielleicht auch nicht Ein Bauer hatte sehr mageres Ackerland, nur einen Sohn, der ihm half, und nur ein einziges Pferd zum Pflügen. Eines Tages lief ihm dieses Pferd davon. Die Nachbarn kamen und bedauerten den Bauern wegen seines großen Unglücks. Der Bauer blieb ruhig und sagte nur: „Woher wisst ihr, dass es Unglück ist?“ In der nächsten Woche kam das Pferd zurück und brachte zehn Wildpferde mit. Wieder kamen die Nachbarn, diesmal voller Begeisterung, und gratulierten ihm zu seinem Glück. Der Bauer blieb erneut ruhig und fragte: „Woher wisst ihr, dass es Glück ist?“ Kurz darauf ritt sein Sohn eines der wilden Pferde und stürzte so unglücklich, dass er sich ein Bein brach. Nun hatte der Bauer keinen Sohn mehr, der ihm helfen konnte. Die Nachbarn eilten herbei und bedauerten ihn abermals ob seines Unglücks. Wieder blieb der Bauer ruhig und sagte: „Woher wisst ihr, dass es Unglück ist?“ Kurz darauf brach ein Krieg aus, und Soldaten kamen ins Tal, um alle jungen Männer mitzunehmen – mit Ausnahme des Sohnes des Bauern, der wegen seines gebrochenen Beins nicht in den Krieg ziehen musste. Diese Geschichte ist eine moderne Nacherzählung der alten chinesischen Parabel „Der alte Mann, der sein Pferd verlor“, deren früheste bekannte Fassung im Werk „Huainanzi“ aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. überliefert ist. Ich finde, sie passt noch sehr gut in das Jahr 2026. ERFOLG ODER SCHEITERN Leistung macht glücklich – aber nur, wenn wir sie richtig lesen. In der Geschichte erleben wir, wie der Bauer sich weigert, Ereignisse vorschnell als „Erfolg“ oder „Scheitern“ zu etikettieren: Pferd weg – vermeintliches Drama. Zehn Pferde zurück – vermeintlicher Jackpot. Sohn verletzt – scheinbare Tragödie. Verschont vom Krieg – offensichtlicher Segen. Der Bauer aber bleibt bei seiner einfachen Frage: „Woher wisst ihr das?“ Er lebt etwas, das ich Leistungsglück® nenne: ein Glück, das nicht von der Tagesbilanz abhängt, sondern von der inneren Haltung zu dem, was gerade geschieht. Für Sie als Leserinnen und Leser ist dieses Muster womöglich vertraut: Ein großes Projekt im Objektbereich platzt in letzter Minute, eine ersehnte Fläche im Fachmarktzentrum geht an den Mitbewerber, eine Top Fachkraft kündigt – und sofort entsteht im Kopf das Etikett „Katastrophe“. Gleichzeitig gibt es Momente, in denen scheinbarer Erfolg später zur Belastung wird: Das Zusatzsortiment, das alle wollten, frisst plötzlich Lagerfläche und Liquidität; das Rekordjahr fordert seinen Preis im Team weil es den Druck auf den Einzelnen erhöht. Die oben genannte Geschichte erinnert uns vielleicht auch daran, dass wir nur ein Kapitel sehen. Was heute wie ein Verlust wirkt, kann morgen Freiraum schaffen – für ein klareres Sortiment, ein besseres Team, ein passenderes Projekt. Ich selbst erlebe das in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer wieder. ÄNGSTE IM BUSINESS Gerade unsere Ängste im Business nähren sich von schnellen Urteilen und inneren Horror Szenarien: „Wenn wir diesen Auftrag verlieren, war‘s das“, „Wenn dieser Kunde auch noch abspringt, bricht uns der Markt weg“. Die Haltung des Bauern unterbricht diese Spirale. Sein „Woher wisst ihr, dass es Unglück ist?“ funktioniert wie ein inneres Stoppschild. Statt „Es wird sicher schlimm“ entsteht der Gedanke: „Ich weiß noch nicht, was daraus wird – aber ich entscheide, was ich jetzt tue.“ Das nimmt der Angst die absolute Eine alte Geschichte, die moderne Denkfehler entlarvt – und Leistungsglück freisetzt. „Was heute wie ein Verlust wirkt, kann morgen Freiraum schaffen.“ Gabriel Schandl, Seminarleiter, Speaker & Coach
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