54 wohninsider.at | Februar/März | 01. 2026 KÜCHE wohninsider: Welchen Stellenwert hat Genuss für die Ambiente? Thomas Kastl: Messen sind das einzige Medium, wo ich auf professioneller Ebene alle Sinne ansprechen kann. Bei den Ausstellungen geht es darum, wie fühlt sich das an, wie riecht es, wie ist der Kontext etc.? Unsere Aussteller und auch wir als Veranstalter zeigen in verschiedenen Präsentationen und Trendarealen, wie Materialien, Farben und Inszenierung wirken. Es geht darum, Produkte nicht nur zu sehen, sondern sie ganzheitlich zu erleben. Was ist heuer neu auf der Messe in Bezug auf das Genießen? Ein Thema, das sich in den vergangenen sieben bis acht Jahren immer mehr entwickelt hat und heuer erstmals einen bewussten Fokus darstellt, ist Back of House. Damit meinen wir also alles, was in Hotellerie und Gastronomie hinter den Kulissen passiert. Gerade im zehnten Jahr, in dem wir HoReCa auf der Ambiente sichtbar machen, war es uns wichtig, nun auch diesen Erfolgsfaktor stärker zu beleuchten. Von der Küchentechnik über deren Organisation bis hin zu effizienten Abläufen dank durchdachter Produktlösungen. In der Galleria zeigen wir dazu eine eigene Sonderpräsentation „Spot on Back of House“. Denn echte Gastfreundschaft beginnt oft dort, wo der Gast es gar nicht sieht. Parallel dazu sehen wir im Bereich Gedeckter Tisch eine starke Entwicklung bei Oberflächen und Materialien. Matte Glasuren, natürliche Texturen und spürbare Strukturen prägen viele Kollektionen. Keramik wirkt handwerklicher, Glas wird weicher in der Anmutung, Farben bewegen sich in ruhigen, erdigen Tönen wie Sand, Lehm oder Salbei. Auch Materialmixe spielen eine große Rolle – etwa die Kombination von Porzellan mit Holz oder Metall. Es geht weniger um Hochglanz und Perfektion, sondern um Authentizität und Haptik. Produkte sollen nicht nur gut aussehen, sondern sich auch gut anfühlen. Diese Sinnlichkeit ist ein zentraler Trend, den man in den Dining-Hallen deutlich erlebt. Schlagwort Genießen – wie kann man sich im Facheinzelhandel herausheben, differenzieren? Indem man Relevanz schafft. Genuss entsteht nicht durch Auswahl allein, sondern durch Einordnung. Der Fachhandel kann mehr als Produkte verkaufen – er kann Bedeutung geben und Geschichten erzählen. Er kann Produkte in einen Zusammenhang stellen – und genau darin liegt seine Chance und die Möglichkeit der Differenzierung. Wenn wir von gehobenem Genuss sprechen, wird der Boden dafür in der Schule und im Kindergarten bereitet. Für mich persönlich ist Genuss mein Beruf. Ich liebe und lebe das jeden Tag. Wenn ich zuhause den Tisch decke, muss stets das richtige Platzset dabei sein, der passende Teller, eine Stoffserviette. Für den Fachhandel gilt aus meiner Sicht, es vorzuleben, aufzuzeigen und darüber aktiv zu kommunizieren. Tatsächlich passiert vieles unterbewusst. Hier ist die Aufgabe des Fachhändlers daher, Bewusstsein zu schaffen: Wie schwer ist ein Messer, schmeckt das anders, wenn das Messer schwer ist? Führen unterschiedliche Metalle zu unterschiedlichen Geschmackswahrnehmungen? Wie kann sich der Handel konkret profilieren über Genießen? Ganz klar über das Zusammenspiel von Produkt und Kontext. Zum Beispiel Schneidwaren mit Delikatessen zu kombinieren, etwa einen Trüffelhobel mit einem Trüffel. Wir erleben das schon als Standard im Einstiegssegment im Lebensmittelbereich, wo etwa THOMAS KASTL – LEITUNG DINING AMBIENTE Von der Sensibilisierung aller Sinne Macht es Sinn zum Hirschbraten Waldrauschen zu hören, ist ein schweres Messer tatsächlich besser in der Schnittführung und warum schmeckt ein Dessert von einem schwarzen Teller besser als von einem weißen? Genuss hat viele Ebenen und Herangehensweisen. Der Leiter des Bereichs Dining bei der Ambiente, Thomas Kastl, ergründete im Gespräch mit wohninsider einige davon. Von Lilly Unterrader Fotos: Portrait © Messe Frankfurt, Screenshot: kitchen-theory.com „Wer Atmosphäre gestaltet, gestaltet Genuss. Genau diese Wirkungsketten machen wir auf der Ambiente erlebbar.“ Thomas Kastl, Leiter des Bereichs Dining bei der Ambiente
RkJQdWJsaXNoZXIy NDA0NA==