01.2026 | Februar/März | wohninsider.at 55 KÜCHE Fackelmann lange verhandelt hat, um Spargelschäler im Gemüsebereich anbieten zu können. Champagner schmeckt aus einem Champagnerglas anders als aus einem Sektglas. Und ein gutes Steakmesser verändert den Moment am Tisch. Dies ist übrigens auch empirisch belegt: Gewicht signalisiert Wertigkeit. Ein schweres Besteck beispielsweise führt dazu, dass wir Inhalt und Qualität höher einschätzen. Das hat nichts mit Einbildung zu tun – unser Gehirn verknüpft Gewicht mit Bedeutung. Genau diese Erfahrung kann der Fachhandel vermitteln. Wäre da etwa eine Kombination aus gehobenem Restaurant und Haushaltswaren-Geschäft eine Option? Meines Wissens gab es die schon, zum Beispiel hier in Frankfurt im Restaurant Kleinmarkthalle. Solche Konzepte sind genial. Alles, was ich im Restaurant gesehen oder gehört habe, die Teller, das Besteck, die Bilder an der Wand oder die Hintergrundmusik konnte man dort beziehen. Sie sprachen bei unserem letzten Zusammentreffen von einem Koch- event in London … In London zeigen besondere Kochevents, wie eng Wissenschaft und Kulinarik heute zusammenarbeiten. Der Experimentalpsychologe Charles Spence hat ein Buch („Gastrophysics: The New Science of Eating“, Anm. der Red.) über Genuss geschrieben. Er belegte, dass beispielsweise ein Erdbeerdessert auf einem schwarzen Teller süßer und fruchtiger schmeckt als auf einem weißen. Sein Schüler Jozef Youssef hat mit Kitchen Theory ein experimentelles Küchenlabor in London aufgemacht. Dort kann man Essen mit allen Sinnen erleben, man hört zum Wild auf dem Teller via Kopfhörer Wind in den Blättern. Klang verändert Wahrnehmung. Hohe Töne lassen Speisen süßer erscheinen, tiefe Töne eher bitter. Leise Hintergrundmusik kann Wein fruchtiger wirken lassen. Form beeinflusst Assoziationen. Runde Formen werden eher mit Süße verbunden, kantige mit Bitterkeit oder Intensität. Deshalb kann sogar die Form eines Tellers oder Glases das Geschmackserlebnis verändern, denn: Geschmack entsteht im Kontext. Für den gedeckten Tisch, zu Hause wie in der Gastro, ist das hochrelevant. Design ist kein dekorativer Zusatz. Material, Oberfläche, Farbe und Gewicht wirken direkt auf die Wahrnehmung des Gastes. Das bedeutet: Wer Atmosphäre gestaltet, gestaltet Genuss. Genau diese Wirkungsketten machen wir auf der Ambiente erlebbar. Wie wird man Ihrer Ansicht nach GenussExperte? Das Wichtigste ist, offen und interessiert zu sein. Jeder hat einen anderen Zugang zu Genuss. Es gibt zum Beispiel Genusshotels, die sich darauf ausgerichtet haben, und dort ist jeden Abend der Tisch anders gedeckt. Auf die Ambiente umgelegt heißt das, mit offenen Augen durch die Hallen zu gehen. Wahrzunehmen, wie ist der Teller geformt, wie verhält es sich mit der Dicke, wie sind die Materialien, und vieles mehr. Für mich bedeutet Genuss, die Sensibilisierung aller Sinne, die wir haben. Das kann man auf der Ambiente perfekt erleben. ambiente.messefrankfurt.com/frankfurt/de.html Weiterführende Links: kitchen-theory.com Beispiel für ein Genusshotel: www.wohninsider.at/marktplatz/objekt/reportagen/ hotel-johann-schladming.html Veranstalter Messe Frankfurt zählte mehr als 4.600 Aussteller und rund 140.000 Besucher. Diese kamen aus 170 Teilnehmer-Nationen und sorgten für einen Internationalisierungsgrad von 71 %. Heuer neu: Erstmals startete die Messe bereits am Messevortag mit den Compass Talks und der Vorstellung des neuen IFH-Branchenindexes. Dieser macht als erstes internationales Stimmungsbarometer sichtbar, wo die globale Konsumgüterbranche aktuell steht und worauf es jetzt ankommt. Der Tenor der anschließenden Panels: Abwarten ist keine Option – gefragt sind die Weiterentwicklung von Geschäftsmodellen, resilientere Wertschöpfungsketten und eine bessere Vorbereitung auf Unsicherheiten, etwa bei Zöllen und Importregelungen. Große Resonanz auf neue Angebote Insbesondere die Angebote rund um Ambiente Projects stießen den Veranstaltern zufolge auf großes Interesse. Die Bereiche HoReCa, Hospitality Interiors und Contract Business entwickelten sich zu stark frequentierten Anlaufpunkten. Neue Formate wie der Interior Design & Architecture Hub sowie das ausgebaute kuratierte Markenareal Interior Looks stärken die Position der Messe als Plattform für Interior Design, Hospitality und internationales Projektgeschäft. Auch die nächste Ausgabe ist bereits fixiert. Diese wird von 29.1. – 2.2.2027 in den Frankfurter Messehallen stattfinden. Bis dahin (und 365 Tage im Jahr) bietet die Messe Frankfurt die digitalen Features der Ambiente: die Aussteller- und Produktsuche, Conzoom Solutions, die Plattform für den Handel mit Anbieterverzeichnis des internationalen Konsumgütermarktes und nmedia.hub, der digitalen Orderplattform für Home & Living. ambiente.messefrankfurt.com/frankfurt/de/profil/ambiente365.html Erstmals gaben die Compass Talks einen Tag vor Messebeginn vielseitige Ein- und Ausblicke in die Konsumgüter-Branche. Foto: Lilly Unterrader/wohninsider AMBIENTE, CHRISTMASWORLD UND CREATIVE WORLD Abwarten ist keine Option Das Messe-Triple Ambiente, Christmasworld und Creative World ging auch heuer (von 6.-10. Februar) mit restlos ausgebuchtem Gelände über die Bühne.
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