66 wohninsider.at | Februar/März | 01. 2026 WOHNEN ANDREAS HEMETSBERGER, GESCHÄFTS- LEITER ÖSTERREICH, SÜDTIROL DES MZE: „Der Schauraum entwickelt sich zur Markenbühne. Duft, Licht und Akustik unterstützen gezielt Emotion, Verweildauer und Kaufentscheidung. Wir prüfen laufend Konzepte von Spezialisten und machen erprobte Ansätze für unsere Mitglieder zugänglich.“ ANDREAS SCHRÖDER, LEITUNG ÖSTERREICH BERATUNG & EXPANSION DEUTSCHLAND, DROSS & SCHAFFER GRUPPE: „Wir haben vor zwei oder drei Jahren einen Versuch gestartet mit einem eigens für uns entwickelten Duft, den wir in Form von Kerzen, Seifen und auch als Raumduft einerseits an unsere Partner verschenkt haben und andererseits diese auch ggf. zum Weiterverkauf einführen wollten. Zudem wurden auch die Schauräume damit teilweise beduftet. Als Geschenke für unsere Partner kamen die Produkte sehr gut an, im Verkauf waren die Erfahrungen sehr durchwachsen. Momentan ist dieses Thema bei uns daher vom Tisch, das heißt aber nicht, dass wir es in Zukunft nicht wieder aufgreifen werden.“ STEFAN BRANDTMAYR, PRODUKTDESIGNER, GRAFIKER, BÜHNENBILDNER UND PARTNER IN DER GESTALTUNG DER JOKA SCHAURÄUME: „Ich bin grundsätzlich skeptisch, wenn es um die ‚Erweiterung‘ der Eindrücke eines Schauraums mit Gerüchen oder Musik etc. geht. Meiner Ansicht nach muss die Kernkompetenz eines Schauraums sein, die eigenen Stärken in den Fokus zu stellen. Durch meine Künstlerische Arbeit gehe ich natürlich immer mit allen Sinnen durch die Welt. Als Marketingwerkzeug sehe ich Geruch jedoch insofern differenziert, als dass dieser sehr individuell ist. Was den einen begeistert, kann den anderen abstoßen. Eine persönliche Erfahrung aus meiner Zeit Bühnentätigkeit: Meine allererste Oper im Linzer Landestheater – La Bohème – spielt zu Weihnachten. Der Regisseur hatte damals die Idee, über die Klimaanlage den Geruch von Zimtsternen reinzublasen. Die Reaktionen darauf waren unentschieden – positive und negative glichen sich aus. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass das Runterreduzieren auf den kleinsten gemeinsamen Nenner der Qualität schadet. Soll heißen: Man muss mit seinen Produkten, seinem Auftritt nicht jedem gefallen, sonst schwächt man sich selbst ab. – Wenn ich nur auf den Applaus schaue, wird es fad. Unter dem Strich: Der Duft muss zum Gesamtpaket passen. Auch ein guter Duft wird einen schlechten Schauraum nicht retten, aber es kann – situationsbedingt – jedenfalls ein guter Begleiter sein.“ WOLFGANG GRUSCHWITZ, LADENBAUER (ZU SEINEN KUNDEN ZÄHLEN RED BULL, MANGO UND ZARA), BAUINGENIEUR, INNENARCHITEKT UND JUROR DER GIA‘S: „Duft ist für uns klar ein Thema der Corporate Identity und des Images. Im Showroom geht es weniger um die gezielte Beeinflussung des Kaufverhaltens oder um verkaufsfördernde Reize wie im klassischen Einzelhandel, sondern vielmehr um Wohlbefinden und die bewusste Eliminierung von Nebengerüchen. Ein Raum soll stimmig, hochwertig und selbstverständlich wirken – nicht inszeniert. Deshalb arbeiten wir häufig mit natürlichen, visuellen Impulsen wie frischen Blumen, etwa Rosen oder Orchideen, mit Obstarrangements oder dem Eindruck von Frische, wie man ihn von sauberer, frisch gewaschener Wäsche kennt. Duft verstehen wir als subtilen Teil eines ganzheitlichen Raumkonzepts, das Atmosphäre schafft, ohne sich aufzudrängen. Individuelle Raumdüfte setzen wir gezielt in Verbindung mit optischen Inszenierungen ein. Eine Schale grüner Äpfel wird beispielsweise durch einen dezenten Apfelduft unterstützt, im Frühjahr arbeiten wir mit großen Blumenarrangements und einer passenden frischen Note. Auch Erdbeeren sind ein schönes Beispiel: Präsentiert im Eiskübel wirken sie visuell stark – ergänzt um einen subtilen Erdbeerduft sprechen sie zusätzlich die Sinne an. Dadurch entsteht eine positive Grundstimmung, die Kommunikation wird leichter und Gespräche verlaufen offener und aufmerksamer. Wenn eine Marke über einen eigenen Corporate Fragrance verfügt, integrieren wir diesen konsequent ins Raumkonzept. Ein bekanntes Beispiel ist Abercrombie & Fitch in seiner Hochphase: Der Duft war so prägend, dass er sofort Bilder und Emotionen ausgelöst hat. Genau diese Verbindung aus Raum, Marke und Erinnerung ist das eigentliche Potenzial von Duft im Showroom.“ THOMAS KASTL, LEITER AMBIENTE DINING, MESSE FRANKFURT: „Aktuelle Marktstudien zeigen klar: Duft gehört international zu den dynamischsten Wachstumskategorien. Wir beobachten dabei zwei starke Entwicklungen – den Wunsch nach Individualisierung und die wachsende Bedeutung von Raumdüften als Teil moderner Wohnkultur. Genau das spiegelt sich auf der Ambiente wider: Home Fragrances in Halle 3.0 wachsen stark. Interior, Lifestyle und Duftwelten rücken immer enger zusammen.“ THEMA: Duft THEMA DUFT „Subtiler Teil des ganzheitlichen Raumkonzepts“ In Anlehnung an Paul Watzlawick: Es kann nicht nicht olfaktorisch kommuniziert werden. Gerüche sind überall und diese gehen – aus evolutionären Gründen – schneller ins Gehirn als alle anderen Eindrücke. Ob und wenn, wie dieser Kanal im eigenen Unternehmen genutzt wird, liegt beim Unternehmer/ der Unternehmerin. Wir haben uns bei Profis umgehört, welche Rolle Duft in ihrem Wirkungsbereich spielt bzw. welche Erfahrungen sie mit dieser Thematik gemacht haben. Fotos: Hemetsberger © MZE, Schröder © Dross & Schaffer, Brandtmayr © Lilly Unterrader/wohninsider, Gruschwitz © Stefan Huber, Kastl © Messe Frankfurt
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