wohninsider Februar-März 2026

68 wohninsider.at | Februar/März | 01. 2026 WOHNEN 2026 fühlt sich Wohnen noch stärker an wie ein Seismograf. Wir pendeln zwischen Rückzug (endlich Ruhe) und Bühne (endlich Ausdruck): Reduktion und Wärme auf der einen Seite, die Wohnung als expressives Statement auf der anderen. Und ja, beides darf nebeneinander existieren – wenn es bewusst inszeniert ist. Hier kommt mein persönlicher Ausblick, was gutes Wohnen im noch neuen Jahr ausmacht: praktisch, manchmal überraschend einfach, da und dort mit Augenzwinkern (und natürlich basierend auf langjähriger Erfahrung im Einrichten). 1. „Schreiben Sie Ihrem Zuhause ein Drehbuch.“ Das ist einer der unterschätztesten LuxusMoves überhaupt: ein roter Faden – Materialliste, Farbklima, Metallton, Holzart, Textur – kompromisslos durchgezogen, von innen bis nach draußen. Entwickeln Sie eine Strategie über alle Räume hinweg. Und dann: Brechen Sie sie. Das Wichtigste an einem klugen Plan: Der Bruch. Clever. Überraschend. Persönlich. Platzieren Sie bewusst einen Fremdkörper, ein Kunstwerk, ein Stück Kitsch, ein Erbstück – etwas mit Reibung. Dadurch wird a) die Strategie erst sichtbar und b) Ihr Zuhause spannender als jeder Showroom. 2. „Maß ist Macht.“ Auf die richtige Größe kommt es an – und auf den Klang. Nicht jede tolle Garnitur passt in eine kleine Wohnung. Und nicht jedes zarte Sofa übersteht in einer großen Halle. Gute Räume „klingen“: Die richtigen Proportionen zwischen Raumhöhe, Teppichmaß, Sofatiefe, Tischhöhe, Laufwegen – alles spielt zusammen. Mini-Regel für 2026: • Ein Möbelstück ist nicht „zu groß“, wenn es ruhig wirkt. • Es ist zu groß, wenn es alles andere klein macht. 3. „Draußen großes Kino, drinnen Opernloge.“ Bei großer Aussicht: innen ruhiger. Je spektakulärer der Blick, desto leiser sollte das Interior „sprechen“. Sonst konkurrieren zwei Hauptdarsteller – und keiner gewinnt. Gerade wenn, wie von einschlägigen Magazinen vorhergesagt, expressive Interiors wieder stärker werden, sollte der Mut zu Farbe und Statement sich nicht direkt vorm Panoramafenster abspielen. Mein Tipp: • Blickseite = ruhige Materialien, matte Oberflächen, wenig Muster • Gegenüberliegende Wand = gerne Kunst, Stücke mit Charakter, „Bühnenmomente“ 4. „Warm ist das neue Wow.“ 2026 verliert der kühle Minimalismus seine Strenge: Wir wollen mehr Wärme, mehr Textur, mehr Naturmaterial, mehr Erdung – ohne dabei überladen zu sein. Das ist hochwertiges Wohnen in Reinform: besser kaufen statt mehr kaufen. Konkreter 2026-Check: • Holz darf wieder „leben“ (Maserung, Haptik) • Stoffe werden griffiger (Bouclé, Wollmixe, strukturierte Webungen) • Farben bleiben ruhig – aber nicht kalt 5. „Textilien sind die schnellste Renovierung ohne Baustelle.“ Vorhänge, Blackouts, Kissen, Bezüge: bitte neu. Dieser Punkt ist Gold wert. Kaum eine Maßnahme holt eine Wohnung so schnell ins Hier und Jetzt. Hochwertige Textilien sind wie gute Schuhe: Man sieht nicht jedes Detail – aber man spürt sofort die Klasse. Bonus: Wichtig ist, wie es sich anfühlt. Das Bewusstsein für Komfort und Sensorik durch textile Qualität tritt wieder in den Vordergrund: Wohnlichkeit als echtes körperliches Wohlgefühl. 6. „Finden Sie einen neuen Aufhänger.“ Denken Sie Kunst neu: Schluss mit den ewig gleichen Wänden. Nehmen Sie in diesem Jahr alles runter, was „schon immer“ da hängt. Sortieren Sie um, kuratieren Sie neu (gerne mit Profi). Und wie wär’s mal mit etwas mehr Persönlichkeit? Die Menükarte aus dem letzten Traumurlaub, hübsch gerahmt, bringt bei jedem Vorübergehen dieses wunderbare Gefühl zurück… Höhe ist die halbe Miete: • Einfacher Richtwert: Bildmitte ungefähr auf Augenhöhe WETSCHER Wohntrends 2026 12 „Must-haves“ von Martin Wetscher Was ist in diesem Jahr angesagt? Martin Wetscher erkennt mehrere Wohntrends und gießt diese in „Zwölf Punkte, die Sie wirklich umsetzen sollten. Ein bisschen Trendradar. Ein bisschen Hausverstand. Und ein paar Dinge, die man nur sagt, wenn man tagtäglich mit guten Räumen lebt.“ Eine Trendreise von und mit dem Wetscher-Mastermind. Fotos: Wetscher

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