wohninsider Februar-März 2026

01.2026 | Februar/März | wohninsider.at 77 RAUM : OBJEKT brauchen uns Profis, um ihre Problemstellungen punktgenau und individuell zu lösen. Künstliche Intelligenz kann Planung und Gestaltung erleichtern, aber sie kann keine individuell abgestimmten Konzepte liefern und auch kein Möbel bauen. Das Handwerk und menschliche Ansprechpartner:innen wird es immer brauchen. Konsument:innen beschäftigen sich längst mit KI. Resultieren daraus Vorstellungen, Wünsche, Pläne, die sie an euch herantragen? Bilder mit KI zu generieren scheint leicht, für gute Ergebnisse braucht es aber schon Knowhow. Manche Kund:innen kommen mit guten Moodboards zu uns, in denen sie mit KI ihre Ideen realistisch darstellen können. Andere wiederum mit von KI gestalteten Plänen, die sich so nicht umsetzen lassen. Wir gehen immer davon aus, dass wir alles hinbekommen, und bauen auf den herauslesbaren Wünschen auf. Im kreativen Prozess ist KI auch cool, weil manchmal ‚happy accidents‘ erzeugt werden, also Ergebnisse, die überraschend und nicht umsetzbar sind. Sie können aber inspirierend sein, weil sie komplett „out of the box“ sind. Es ist spannend, wenn man sich darauf einlässt und das als unkonventionelle Inspirationsquelle sieht. Wie regieren Kund:innen auf KI-Planungen durch Profis? Kund:innen schätzen es, eine physische Person als Gegenüber zu haben, mit denen Ideen zu optimalen Lösungen weiterentwickelt werden. Auch die Materialien haptisch erleben zu können ist extrem wichtig. Wir haben eine eigene Materialbibliothek und legen bei Meetings mit Kund:innen die Materialien immer vor. In einer sehr digitalen Welt braucht es das persönliche und haptische Erlebnis noch mehr. Haben sich Design-, Gestaltungs- und Einrichtungswünsche gewandelt? Der Einrichtungsfokus hat sich schon verändert. Es wird mehr Wert auf individuelle Produkte und Lösungen gelegt, Kund:innen trauen sich wieder mehr, es darf wieder maximalistischer gedacht, geplant, gestaltet werden. Da spielen auch KI und Social Media mit ihrer Bilderflut hinein, auch wenn es oft eine „self fulfilling prophecy“ ist, weil der Algorithmus ja anzeigt, was ohnehin gefällt. Foundation Three ist im Retail-, Hospitality- und Office-Design unterwegs. Hat KI in einem der Bereiche mehr Gewicht? Wie fließt sie bei der Markengestaltung ein? Sie spielt in keinem Bereich eine größere oder kleinere Rolle. Wir begleiten und betreuen Unternehmen und Marken auch strategisch und hier zeigen sich ebenfalls die Grenzen von KI. Viele Kund:innen sind total energiegeladen, haben schon viel probiert und wir bremsen dann die KI-Euphorie, weil sie ja auch nicht zum gewünschten Ziel geführt hat, und fokussieren sie. Wichtig ist immer, dass Unternehmen und Marken wissen, wofür sie stehen und stehen wollen. Was selbstverständlich klingt, ist vor allem bei Familienbetrieben, bei denen die nächste Generation übernimmt, ein Knackpunkt. KI kann zwar Ideen, Ziele, Visionen super zusammenschreiben, trifft sie aber seltenst auf den Punkt und ist so gut wie nie originell. Das Ergebnis ist meistens generisch. Es braucht den menschlichen Aspekt, weil sich meistens im Gespräch der Kern, die Intention, die Vision zeigt, mit denen dann weitergearbeitet wird und eben am Ende kein automatisch von KI generierter, sondern persönlicher, aussagekräftiger Claim und ein individuelles Design rauskommt. Hat Künstliche Intelligenz Design, Innenarchitektur, Innenraumgestaltung verändert? Das würde ich nicht sehen, vor allem bei uns nicht. Unser Workflow basiert nicht darauf, KI für die Generierung von Design zu nutzen, sondern zum Visualisieren und Analysieren. Ich bringe bei Entwürfen meine Gedanken erst einmal als Skizze auf’s Papier, weil es der schnellste Weg ist, noch lange bevor KI eingesetzt wird. Sie erleichtert und beschleunigt der Planungsprozess, ersetzt ihn aber nicht. Weder Design noch Architektur ziehen aktuell einen großen Benefit daraus, wenn rein mit KI gearbeitet wird. Hier spielt der Handwerksgedanke hinein und dass Menschen noch immer mehr Menschen vertrauen – und uns Profis aus Fleisch und Blut. www.foundation-three.com Links: Durchdacht bis ins kleinste Detail: Die Öfferl-Filiale in Mariahilf. © Vilma Pflaum Rechts: Design-Genuss im Restaurant Doubek. © Patrick Griesbacher-Tafner Foundation Three, gegründet von Alexander Ahmad, MArch, Christoph Reichelt und Maximilian Hammerl (v.l.), verfolgt einen holistischen Designansatz. © Patrick Griesbacher-Tafner

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