01.2026 | Februar/März | wohninsider.at 79 RAUM : OBJEKT tionen und Impulse, die wirklich für unseren Arbeitsalltag einsetzbar sind. Wir beschäftigen uns gerne mit KI, das macht uns Spaß. Beeinflusst sie auch das Handwerk? In der Produktion kommt KI kaum zum Einsatz. Zumindest haben wir hier noch nicht den Nutzen entdeckt. Wir schauen immer genau, wo Digitalisierung Sinn oder wo es sogar mehr Arbeit macht, und wägen Vor- und Nachteile ab, weil natürlich schon die Gefahr besteht, dass man sich verzettelt. Sind Kund:innen durch KI besser informiert oder haben sie konkretere Vorstellungen? Wir merken schon immer mehr, dass Kund:innen KI als kreative Hilfestellung verwenden, und greifen das auch mit eigenen Tools auf. Die Grundvoraussetzung ist dabei immer, unsere eigene Persönlichkeit und unsere Werte zu kennen, und zu wissen, wer die Kund:innen sind, die wir ansprechen und ansprechen wollen. Damit haben wir uns schon früh beschäftigt und die Informationen aus unserer Zielgruppen-Analyse in einen eigenen Avatar fließen lassen. Auf unserer Website können Kund:innen ein Foto ihres Raumes hochladen und es wird entsprechenden unseren Unternehmenswerten ein Vorschlag generiert, den wir dann im persönlichen Gespräch aufgreifen können. Auch hier hilft die KI – den Kund:innen und uns. Sind KI-generierte Pläne von Kund:innen ein Vor- oder Nachteil? Ich sehe es als Vorteil, weil die Wünsche der Kund:innen sichtbar werden. Der schwierigste Kunde ist der, der nicht weiß, was er will. Daher ist es gut, wenn sie schon wissen, welcher Stil gefällt, in welche Richtung es gehen soll. Ein KI-generierter Plan kann gut als Inspiration, als Vorlage genutzt werden. Darauf können wir aufbauen, die Ideen nachschärfen, die Wünsche konkretisieren und maßgeschneiderte Lösungen gestalten. Am Ende des Tages wissen die Kund:innen ja auch, dass KI nur eine gute Ergänzung ist, sie aber nicht unsere Kompetenz in Tischlerhandwerk und Innenarchitektur ersetzen kann. Für individuelle Lösungen braucht es Handwerk und kreative Menschen, die Wünsche und Bedürfnisse verstehen und daraus individuelle Möbel und Wohnräume machen. Individualität ist und bleibt essenzieller Faktor? Jeder Tischlerbetrieb, jedes Planungs- und Innenarchitekturbüro hat seine eigene Note und seinen eigenen Stil. Das lässt sich nicht in einem Programm abbilden, auch nicht mit KI, die auf schon existierenden Daten und Informationen basiert. Was wir planen, gestalten, entwickeln, erfinden existiert noch nicht. Das macht den großen Unterschied. Auch die persönliche Beratung, die immer wichtiger wird, weil am Ende des Tages Menschen lieber mit Menschen reden. Wachsen die Ansprüche aufgrund der KI-Möglichkeiten? Kund:innen kommen immer mit einem gewissen Anspruch zum Tischler und sind durch KI nicht anspruchsvoller geworden. Sie machen sich aber im Vorfeld mehr Gedanken, was sie wollen, und setzen sich zum Beispiel schon mit gewissen Produkten oder Materialien und deren Vorteilen auseinander. Das finde ich gut und es erleichtert Beratung, Planung und Verkauf, weil wir mit unserer Kompetenz daran ansetzen können. Gewinnt Haptik in einer zunehmend digitalen Welt an Bedeutung? Unser Einzugsgebiet hat sich in den letzten Jahren deutlich vergrößert. Wir haben nicht nur Kund:innen im näheren Umfeld, sondern bis nach Wien, und merken immer stärker, dass sie sogar von dort aus persönlich zu uns kommen, um die Produkte zu sehen und anzugreifen. Es freut uns, dass sie diesen langen Weg auf sich nehmen, und zeigt, wie wichtig das persönliche und haptische Erlebnis ist. Um es noch bequemer zu machen und die Hemmschwelle weiter zu senken, verfolgen wir auch die Idee einer Hybridlösung, um Online-Welt und erstes haptisches Erlebnis bei den Kund:innen vor Ort zu verknüpfen. KI steht sicher erst am Anfang, da wird noch viel kommen. Wir haben keine Angst. Tischlerhandwerk und Innenarchitektur haben eine gute Zukunft, weil Persönlichkeit, Individualität und Haptik wichtig bleiben und noch wichtiger werden. KI nimmt der Branche nichts weg, sondern bereichert sie. www.tischlerei-bernegger.at Künstliche Intelligenz kommt durchdacht und gezielt zum Einsatz, zum Beispiel als KI-Assistent. Tischlerhandwerk und Innenarchitektur greifen bei der Tischlerei Bernegger ineinander. „KI nimmt der Branche nichts weg, sondern bereichert sie.“ Fotos diese Seite: Tischlerei Bernegger
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