wohninsider Juni-Juli 2019

138 wohninsider.at | Juni/Juli | 03.2019 RAUM : OBJEKT D ie Wegwerfgesellschaft ist ein Trend, mit dem David Wein- schenk gar nicht konform geht. Eine Gesellschaft, die dahin regelrecht getrieben werde, eine Abwärtsspirale in vielerlei Hinsicht be- gründet. Und so hat der Notfallsanitäter und Einsatzlenker mit Branchenwurzeln einen Gegentrend im Mikrokosmos etabliert und schon vieles aus alten Dingen gemacht, die er gefunden, geschenkt oder entdeckt hat. Aber zurück zum Anfang: Als Sohn eines Branchenveteranen, sein Vater Reinhard Greil hatte nach seiner Tätigkeit bei GEA Ende der 1980er gemeinsam mit Theresia Weinschenk die Futonwerkstatt auf der Wiener Gumpendorfer Straße gegründet, war er immer schon nah dran am Holz. Mit handgenähten Naturmatratzen, „die meine Mutter anfangs zu Hause selber nähte“ und den ersten metallfreien Betten ausschließlich mit Steckverbindungen war Greil damals schon ein Vorreiter in Sachen Nachhaltig- keit – und seiner Zeit wohl weit voraus. Sohn David hatte damit früh die Liebe zum Werk- stoff und der Arbeit mit Holz mitbekommen, immer wieder mitgewerkt. Als der Vater 2011 leider viel zu früh und unerwartet verstarb, übernahm er das Geschäft trotzdem nicht: “Ich sehe mich eher als Handwerker, denn als Verkäufer”, so Weinschenk. Das Arbeiten mit Holz blieb daher präsent und war schon immer ein Ausgleich zum zivilen Job bei der Berufsrettung Wien. Bis dann vor zwei Jahren ein schwerer Verkehrsunfall die Situation ver- änderte. David war lange im Krankenstand, suchte vermehrt den Ausgleich in der Arbeit mit dem besonderen Rohstoff und entwickel- te seine Marke Smile for me. Smile for me. Dabei begründete eine zutiefst soziale Idee die Marke: „Die Menschen in der Stadt sind viel zu griesgrämig. Dass ein Lächeln viel verän- dern kann, wissen wir alle. Und so wollte ich 100 Token aus Holz mit der Aufschrift ‚Smile for me‘ produzieren. Diese sollten dann einem Unbekannten auf der Straße weitergegeben, ein gemeinsames Foto gemacht und somit Lächeln verschenkt werden. Mit der char- manten Idee dahinter, dass der Token um die Welt geht und vielleicht irgendwann wieder zu mir zurückkehrt.“ Virales Marketing ein- mal ganz anders gedacht. Gescheitert bislang mangels eines geeigneten Brennstempels ist die Idee noch lange nicht aufgehoben. Heute produziert er in seinem Keller alles Denkbare aus Holz, das er findet, das ange- schwemmt wird, oder auch aus alten Möbeln entnommen wird. „Die Idee: Ich möchte für meine Rohstoffe nichts bezahlen, dem Alten neues Leben einhauchen und gleichzeitig der Wegwerfgesellschaft etwas entgegenset- zen.“ Entstanden sind so schon Holzringe, Schüsseln, Lampen und unlängst der erste Tisch – praktisch „wiedergeboren“ aus einem alten Thujenstock. David: „Derzeit ist es noch ein Hobby für mich, aber ich möchte mehr daraus machen. Dazu suche ich auch einen Partner, der meine Dinge z.B. als verkäufli- che Deko in seine Ausstellung nimmt.“ Eine weitere Idee: „Ich produziere auch gerne auf Kundenwunsch. Sehe mir das vorhandene Ausgangsmaterial der potentiellen Kunden an und transformiere das Material dann....“ Individualität at it’s Best. Aber, schränkt er mit einem Lächeln ein: „Eines ist klar, ich werde sicher kein Billy-Regal bauen...“ facebook.com/Smile4me.Art T: +43 (0) 660 3644893 SMILE4ME.ART Ein Lächeln für die Welt – und zurück Mit Branchenhintergrund und einer großen Portion Kreativität geht der Auto-Didakt David Weinschenk an den Werkstoff Holz. Und holt raus, „was dieses werden will“. Nun sucht er potenzielle Partner. V on L illy U nterrader Fotos: Smile4me.art  Verarbeitet wird alles, was denk- bar und geeignet ist. Ob gefunden, recycelt oder ge- schenkt. So kann z.B. das 2. Leben eines alten Thujen- stocks aussehen.  David Weinschenk sieht das Arbeiten am Holz als Ausgleich zu seinem Zivilberuf.

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