VfB: Österreich setzt grüne Benchmark

Jetzt wird’s grün: Österreich verankert mit einer ÖNORM die Bauwerksbegrünung im Bauwesen und macht sie vom „Add-on“ zum integralen Bestandteil bei Planung und Umsetzung – ein richtungsweisender Meilenstein.

 

Österreich ist Vorreiter, geht diesen Weg konsequent weiter und baut seine Rolle in der EU bei Begrünungsstandards weiter aus. Denn nun folgt der nächste „big step“ – ein wegweisender Schritt mit Strahlkraft und ein Richtungspfeil für die zukünftige Entwicklung, nicht nur in hierzulande, sondern weit darüber hinaus. Mit der Veröffentlichung der ÖNORM B 1131 – Begrünung von Dächern und Decken auf Bauwerken (Anforderungen an Planung, Ausführung, Pflege) wird Bauwerksbegrünung erstmals verbindlich im Bauwesen verankert.

Als einziges EU-Land mit eigenen Normen für Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrünung schafft Österreich damit eine durchgängige Grundlage für Planung und Umsetzung. Dieser Meilenstein ist Ergebnis jahrelangen Engagements, das nun „grüne“ Früchte trägt: Nach fünf Jahren intensiver Überarbeitung liegt damit jetzt ein Regelwerk vor, das aktuelle Entwicklungen wie Solargründächer, Retentionslösungen und biodiversitätsfördernde Systeme systematisch integriert und damit zentrale Anforderungen an klimaangepasstes Bauen klar definiert.

 

Grün ist gesetzt
 

Mit der neuen ÖNORM B 1131, herausgegeben von Austrian Standards International, wird Bauwerksbegrünung zum ersten Mal direkt im Bauwesen verankert und der Wechsel von der bisherigen L Norm zur B Norm ist dabei mehr als ein formaler Schritt. Begrünte Dächer und Decken werden nicht länger als Zusatz behandelt, sondern als integraler Bestandteil der Planung, Ausschreibung und Ausführung mit klar definierten Anforderungen über alle Projektphasen hinweg.

Die Norm baut auf einer österreichweiten Entwicklung auf, die seit Jahren vorangetrieben wird, von der ONR 121131 im Jahr 2002 über die ÖNORM L 1131 im Jahr 2010 bis hin zur aktuellen B Norm 2026.

„Mit der neuen ÖNORM B 1131 schaffen wir einen neuen Stand der Technik, auf dem Qualität in der Bauwerksbegrünung einheitlich geplant, umgesetzt und bewertet werden kann. Sie ist zugleich die Basis für unsere weiterentwickelten Zertifizierungen von Produkten und Betrieben und sorgt für mehr Transparenz und Vergleichbarkeit im Markt“ - Martin Haas, Vorstandsvorsitzender des Verbands für Bauwerksbegrünung (VfB) und Geschäftsführer von HAAS Garten- und Landschaftsbau GmbH

 

Von der Theorie in die Praxis
 

Mit dem Inkrafttreten am 15. April beginnt nun die entscheidende Phase, nämlich die Anwendung in der Praxis. GRÜNSTATTGRAU übernimmt dabei eine zentrale Rolle, von der Wissensvermittlung über Weiterbildungen bis hin zur Unterstützung von Städten, Gemeinden und Förderstellen.

„Die neue ÖNORM B 1131 ist ein wichtiger Schritt. Entscheidend ist jetzt, dass sie in der Praxis ankommt. Wir unterstützen bei der Umsetzung und sind Bindeglied zwischen Bauwesen und Begrünungsbranche“
- DI Susanne Formanek, Geschäftsführerin von GRÜNSTATTGRAU

Im europäischen Vergleich nimmt Österreich bei Begrünungsstandards eine Sonderstellung ein. Als einziges EU-Land existieren eigenständige Normen für Dach, Fassaden und Innenraumbegrünung und damit ein durchgängiger Rahmen für Bauwerksbegrünung am, auf und im Gebäude.

„Hinsichtlich Begrünungsstandards nehmen wir innerhalb der EU eine klare Vorreiterrolle ein. Die neue ÖNORM B 1131 definiert den Stand der Technik für zukunftsfitte, multifunktionale Gründächer und bildet aktuelle Trends und Entwicklungen systematisch ab“ - DI Christian Oberbichler, Arbeitsgruppenleiter der AG 227.19 und Geschäftsführer der DACHGRÜN GmbH

 

Klarer „grüner Faden“ für Planung und Umsetzung
 

Was bedeutet dies für Österreichs Dächer? So einiges und alles „for the best and better“:

- Mehr Sicherheit in der Planung

Die neue ÖNORM B 1131 bringt klare Vorgaben für zentrale Anforderungen in Planung und Umsetzung. Dazu zählt vor allem das definierte Brandverhalten aller Dachbegrünungskategorien, das zusätzliche Sicherheit in der Brandschutzplanung schafft und bestehende Unsicherheiten reduziert.

 

- Multifunktionelle Nutzungen werden Standard

Solargründächer sind nun ebenso standardisiert wie Retentionsgründächer, die aktuell noch als Sonderbauweise gelten, aber bereits als wichtiger Baustein für das Regenwassermanagement gelten.

- Technische Anforderungen für die Umsetzung

Anforderungen an Substrate und Dränschichten wurden vereinfacht und präzisiert, Prüfmethoden klar geregelt und an die Praxis angepasst, sowohl in der Herstellung als auch nach der Ausführung, mit direktem Bezug zu bestehenden Zertifizierungen.

 

- Mehr Klarheit im Detail, angepasst an den Klimawandel

Zusätzlich definiert die Norm konkrete Anforderungen an Ausführungsdetails wie vegetationsfreie Streifen bei Dachrändern sowie Ausnahmen für kleinere Flächen. Gleichzeitig wird der Mindeststandard für Dachbegrünung neu festgelegt, mit einer Mindestaufbauhöhe des extensiven Gründaches von 10 cm und mindestens 8 cm Substrat, während reduzierte Varianten künftig nicht mehr als Standard gelten.

 

- Stärkerer Fokus auf Biodiversität

Die Norm stärkt den Einsatz entsprechender Elemente, die Kombination unterschiedlicher Begrünungstypen sowie die Verwendung standortgerechter, heimischer Pflanzen.

 

„Entscheidend ist, dass die Norm die steigende Komplexität in der Praxis gut abbildet. Sie schafft eine bessere Orientierung für alle Beteiligten und ermöglicht es, auch anspruchsvollere Projekte sicher und nachvollziehbar umzusetzen“ - DI Katharina Mauss, Prokuristin von GRÜNSTATTGRAU

 

Gemeinsame Power
 

Dies gelingt durch die optimale Aufbereitung, die im Dialog der Profis erfolgte. So entstand die Überarbeitung in einem breiten Prozess mit Expert:innen aus Planung, Ausführung, Produktentwicklung, Forschung sowie angrenzenden Bereichen – von Dachabdichtung über Solartechnik bis hin zu Substratentwicklung und Pflege.

 

„Die neue ÖNORM ist das Ergebnis intensiver Zusammenarbeit über viele Jahre hinweg. Unser besonderer Dank gilt allen Mitwirkenden, insbesondere den Fachausschussleiter:innen DI Gundula Dyk, DI Werner Sellinger, Peter Amann und Ing. Stefan Brunnauer sowie DI Christian Oberbichler als Arbeitsgruppenleiter und Hans Heider als Vorsitzendem des Austrian Standard Komitees. Dieses gemeinsame Know-how und die gemeinsame Herangehensweise macht diese Norm so tragfähig für die Umsetzung in der Praxis“ - DI Susanne Formanek, Geschäftsführerin von GRÜNSTATTGRAU 

Startschuss
 

Mit der ÖNORM B 1131 liegt erstmals ein durchgängiger Qualitätsstandard für die Bauwerksbegrünung im Bauwesen vor, nun folgt die Umsetzung.

 

„Damit ist klar definiert, wie Planung sowie Umsetzung künftig aussehen müssen. Jetzt geht es darum, diese Standards in die Praxis zu bringen und Bauwerksbegrünung in Österreich breiter zu realisieren. Genau darin liegt die Chance für die nachhaltige Entwicklung unserer Branche“ - Martin Haas, Vorstandsvorsitzender des VfB und Geschäftsführer von HAAS Garten- und Landschaftsbau GmbH

 

Begleitend zur Veröffentlichung der Norm bieten GRÜNSTATTGRAU und der Verband für Bauwerksbegrünung Weiterbildungen und Online-Seminare zu den Neuerungen an. Am 8. und 29. Juni 2026 geben Mitglieder der Arbeitsgruppen praxisnahe Einblicke in die Inhalte der Norm. Von 30. Juni bis 3. Juli 2026 findet zudem die aktualisierte GRÜNSTATTGRAU Weiterbildung zur Bauwerksbegrünung statt, die Grundlagen zu Dach, Fassaden und Innenraumbegrünung sowie rechtliche und technische Aspekte vermittelt. Die modular aufgebauten Formate kombinieren Theorie und Praxis und können je nach Schwerpunkt individuell zusammengestellt werden – mehr dazu hier online.

 

gruenstattgrau.org