LAUFEN: Neue Materialität im Fokus

Frische Ansätze für zirkuläre Materialpraktiken zeigt LAUFEN auf. Die bei einem top Event enthüllten Ergebnisse des Forschungsprojekts „UNUSED MATTERS“ werfen ein ein Schlaglicht auf die Zukunft und Möglichkeiten.

 

Immer der Zeit einen Schritt voraus ist LAUFEN. Die Zukunft hat Badkeramik-Spezialist nicht nur fest im Blick, sondern übersetzt sie mit Weitsicht und Innovationsgeist auch stets ins Hier und Jetzt. Bei einem top Event im Rahmen der VIENNA DESIGN WEEK wurde dies einmal mehr deutlich. LAUFEN präsentierte gemeinsam mit bioregional.agency und mischer'traxler studio erstmals die Ergebnisse des Forschungsprojekts „UNUSED MATTERS“, bei dem industrielle Nebenströme aus der Sanitärkeramikproduktion am LAUFEN Innovationsstandort Gmunden im Mittelpunkt stehen – und die Frage, wie daraus neue Materialien und Produkte sowie neue Möglichkeiten der Wertschöpfung entstehen können.

Mit Keynotes und Talk im LAUFEN space Wien am 28. September rückte das Unternehmen dies wortwörtlich ins Rampenlicht. Diskutiert wurde in hochkarätiger Expert:innen-Runde, wie sich zirkuläre Materialpraktiken in bestehende industrielle Produktionssysteme integrieren lassen, welche Bedeutung dabei regionale Wertschöpfungsketten haben und wo neue Einsatzmöglichkeiten entstehen können. Rund 150 Gäste aus Architektur, Design, Forschung und Wirtschaft folgten der Einladung und genossen ein impulsreiches Event in dem LAUFEN-Hotspot mitten in Wien.

„Wenn wir gelebte Kreislaufwirtschaft in der Industrie voranbringen wollen, müssen wir bei den eigenen Produktionsprozessen ansetzen. Bei LAUFEN bedeutet das konkret, die Reststoffe, die wir heute noch nicht in die Produktion zurückführen können, genauer zu untersuchen und neue Möglichkeiten für ihre Nutzung zu entwickeln. In unserem Forschungsprojekt in Gmunden können wir diese Ansätze gemeinsam mit dem Produktionsteam vor Ort testen, daraus lernen und Schritt für Schritt herausfinden, was sich mittel- und langfristig auch im industriellen Maßstab umsetzen lässt“ - Christian Schäfer, Managing Director LAUFEN Austria

 

Nach der Eröffnung durch Christian Schäfer, Managing Director LAUFEN Austria, gaben Katharina Mischer und Thomas Traxler von mischer'traxler studio sowie Gordon Selbach von bioregional.agency einen Einblick in den aktuellen Stand sowie in die bisherigen Ergebnisse des gemeinsamen Forschungsprojekts. Anschließend diskutierten Karin Huber-Heim (Circular Economy Forum Austria), Denis Milosevic (Wiener Linien) und Sigrid Stagl (WU Wien) unter Moderation der Transformationspsychologin Irina Nalis lebendig und tiefsinnig über konkrete Ansätze und Voraussetzungen für mehr Kreislaufwirtschaft in industriellen Systemen sowie über die Chancen, die daraus entstehen können.

Im gemeinsamen Austausch wurde deutlich, dass Kreislaufwirtschaft nicht nur den Umgang mit Ressourcen verändert, sondern auch neue Geschäftsmodelle und Formen der Zusammenarbeit ermöglicht. Ein zentraler Punkt dabei: Kreisläufe lassen sich nicht immer allein innerhalb einzelner Unternehmen schließen, vielmehr sind Kooperationen über Branchen- und Ländergrenzen hinweg gefragt, ungewöhnliche Allianzen und ‚Coopetition‘, also die Zusammenarbeit von Unternehmen, die gleichzeitig im Wettbewerb stehen. Ob daraus tatsächlich Veränderung entsteht, hängt von den handelnden Personen ebenso ab wie von den wirtschaftlichen und regulatorischen Rahmenbedingungen.

Nachhaltigkeit in der DNA
 

LAUFEN nimmt dabei seine Verantwortung seit langem wahr und versteht Nachhaltigkeit als Teil der kontinuierlichen Weiterentwicklung seiner Produktion. Am Standort Gmunden investiert das Unternehmen seit Jahrzehnten in neue Technologien und arbeitet daran, Ressourcenverbrauch und Emissionen zu reduzieren, unter anderem mit dem seit 2023 in Betrieb befindlichen, weltweit ersten elektrischen Tunnelofen für Sanitärkeramik. 2025 wurden in Gmunden gefertigte LAUFEN-Produkte zudem mit Cradle to Cradle Certified® Circularity Bronze ausgezeichnet und mit dem Forschungsprojekt UNUSED MATTERS geht LAUFEN einen weiteren Schritt und verbindet die eigene Material- und Produktionskompetenz mit neuen Ansätzen für mehr Zirkularität.
Dieses setzt bei den realen Materialströmen der Sanitärkeramikproduktion im LAUFEN-Werk Gmunden an. Filterkuchen, Keramikscherben und Glasurstaub werden in unterschiedlichen Mischverhältnissen kombiniert und zu einer neuen keramischen Masse weiterentwickelt. Nach etwas mehr als einem Jahr Forschungsarbeit und zahlreichen Testzyklen ist es gelungen, eine gießbare Masse zu entwickeln, die zu 92 Prozent aus Restmaterialen besteht und im E-Tunnelofen am Standort Gmunden gebrannt wird.

 

„Für uns war von Anfang an klar: Wir müssen zuerst das Material verstehen, bevor wir über ein konkretes Produkt nachdenken können. Deshalb arbeiten wir mit dem, was in der Produktion tatsächlich anfällt, und entwickeln daraus unterschiedliche keramische „Test-Objekte“. Diese zeigen uns, was bereits möglich ist, wo Grenzen liegen und für welche Anwendungsbereiche wir weiter forschen und entwerfen können“ - Thomas Traxler, mischer'traxler studio

UNUSED MATTERS geht dabei über die reine Materialentwicklung hinaus. bioregional.agency betrachtet die Produktion und ihre Stoffströme in einem größeren Kontext. Sie beziehen dabei auch die Frage ein, wo neu entwickelte Materialen in Zukunft sinnvoll eingesetzt und regionale Kreisläufe gestärkt werden können.

 

„Für uns bedeutet Zirkularität, die global-orientierte Industrie als Teil eines regionalen Systems zu verstehen. Wir schauen uns an, wo Materialen herkommen, wie sie künftig eingesetzt werden können und wie daraus neue Verbindungen in der Region entstehen können. Auch die Rolle von Design geht dabei über die reine Formgebung hinaus. Designer:innen können mit ihrer investigativen Arbeit dazu beitragen, industrielle Systeme zu verändern“ - Jakob Travnik, bioregional.agency

 

Wie dies umgesetzt wird, zeigt die Ausstellung „UNUSED MATTERS“ in der Festivalzentrale der VIENNA DESIGN WEEK, die noch bis 4. Oktober zu sehen ist und erstmals die Ergebnisse des Forschungsprojekts visualisiert.


Dabei werden unter anderem gegossene und glasierte Keramikschindeln als mögliche Fassadenelemente sowie stapelbare keramische Objekte für den Innenraum präsentiert. Der Produktionsprozess bleibt dabei im Material sichtbar: Für die gezeigten Objekte wurde etwa Glasurstaub aus unterschiedlichen Produktionswochen verwendet. Je nachdem, welche Farben in Gmunden produziert wurden, entstehen so unterschiedliche Nuancen.

 

„Die Industrie braucht gleichbleibende Qualität und Kontinuität. Sobald man aber mit Restmaterialien aus der laufenden Produktion arbeitet, muss man auch mit gewissen Abweichungen umgehen können. Die Ergebnisse können kleine Farbunterschiede oder Unregelmäßigkeiten aufweisen. Für mich als Gestalterin ist genau das spannend: Wie können wir mit dieser Varianz arbeiten und sie als Charakter statt als Fehler verstehen? Und wie können wir eine Ästhetik entwickeln, in der diese Unterschiede nicht versteckt werden müssen, sondern einen eigenen Wert bekommen?“ - Katharina Mischer, mischer'traxler studio

Ein weiterer Teil der Überlegungen ist eine mögliche Anwendung direkt am Ort ihrer Entstehung. „Wir finden den Gedanken sehr spannend, dass aus diesen Materialien beispielsweise Elemente für eine Fassade, einen Eingangsbereich oder einen öffentlichen Raum in der Region entstehen könnten. So würde aus einem Nebenstrom der lokalen Produktion wieder etwas entstehen, das in der Region neue Wertschöpfung erzeugt“, so Gordon Selbach, bioregional.agency.
So wird weitergedacht – und die nächsten Schritte werden gesetzt. Diese konzentrieren sich bei allen Projektbeteiligten auf die Reproduzierbarkeit und Standardisierung der Methode. Denn langfristig geht es für LAUFEN um mehr: Wie lassen sich die Erkenntnisse aus Gmunden auf größere Produktionsmaßstäbe übertragen und welche Möglichkeiten ergeben sich daraus auch für andere Standorte?

 

„Dieses Projekt zeigt uns, wie wichtig es ist, dass die Forschung direkt mit der industriellen Praxis verbunden ist. Nur wenn Produktion, Materialforschung und Design eng zusammenarbeiten, können daraus innovative Lösungen für die Zukunft entstehen. Genau diese Offenheit brauchen wir, um unser Unternehmen sowie die Produktion langfristig weiterzuentwickeln“ - Christian Schäfer, Managing Director LAUFEN Austria

 

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