Der Salone bewegt

Die „big show“ in Mailand läuft. Der „Salone“ ist dieser Tage noch in vollem Gange und entfaltet seine Zugkraft mit Innovationen, EuroCucina, Bad-Biennale und neuen Formaten. Was ist aufgefallen? Ein Einblick & Kommentar.
Von Sylvia Pilar

 

Mailand ist dieser Tage im Möbel- und Designrausch. Alles dreht sich um den „Salone“, alle sprechen über die Messe – und die Branche ist vor Ort. Volle Gänge und volle Stände sprechen für sich und bei der wohninsider-Stippvisite zeigte sich ein klares Bild: Der Salone der Mobile.Milano ist gesetzt. Auch in unruhigen wirtschaftlichen Zeiten – oder auch gerade deshalb – ist die Möbelmesse eine solide, stabile Konstante und bewegt die Branche, sprich- und wortwörtlich. Offizielle Zahlen liegen natürlich noch nicht vor, immerhin läuft die Messe noch, doch frisch zurück aus dem Mekka der Möbelinnovationen, zeigt sich der Salone überaus wirkstark und innovationsreich.

Unübersehbar
 

Das internationale Getümmel, das ihn immer auszeichnet, beflügeln in diesem Jahr einerseits die vielen italienischen und internationalen Aussteller im Möbel(design)bereich, andererseits verleiht die EuroCucina mit FTK dem Messeevent gewohnt einen weiteren Push. In zwei Hallen zeigt die Küchenbranche, wohin die Reise bei Küchen und Küchengeräten geht – und sie sind sich offensichtlich einig: Stilsichere Integration und intuitive Intelligenz prägen die Innovationen für das „Herz des Zuhauses“, „Matt Black“ ist die (Nicht-)Farbe und Ausführung der Zukunft, auf die breitflächig gesetzt wird und in die bei der Küchengestaltung durchaus auch andere, kräftigere Farbnuancen mit einstimmen. Dafür wirde zuweilen auch in die Materialien-Trickkiste und auf starke, robuste und zugleich modern-elegant anmutende Materialien gesetzt. Ebenfalls offensichtlich, wenngleich dank cleverer Lösungen nahtlos integriert, ist das Wachstum bei Kühl- und Kühl-Gefrier-Geräten, die ein deutliches Inhaltsplus erfahren und auf XL-, ja sogar XXL-Größe anwachsen, dabei aber nichts an ihrer optischen Leichtigkeit einbüßen. Mit dem Spannungsfeld von Verstecken und Präsentieren von Geräten und darin gelagerten Produkten wird gekonnt gespielt – und das getoppt mit dem gewissen Extra.

 

Es geht rund

Dieses Zusatzplus zeigt sich übrigens auch bei den Möbelinnovationen. „Soft Seating“ ist endgültig angekommen und aktuell der Maßstab, wie sich an den Produktentwicklungen ablesen lässt. Der Komfort materialisiert sich in formschönen Kreationen, die mit organischem Design ihre „Ecken und Kanten“ zeigen. Unaufgeregt, entspannt, edel – Understatement prägt optisch das Innovationsbild, während die funktionalen Highlights im Hintergrund lauern, um unkompliziert ihre Möglichkeiten zu auszuspielen. Runder oder eher ovaler stimmen Tische in den Reigen ein und kommen immer öfter mit feinen, abgerundeten Kanten daher – gemacht, um nicht nur optisch zu bezaubern, sondern auch das Get-together von family & friends noch komfortabler zu machen. Dazu lohnt immer auch ein Blick unter die Platte, wo raffinierte Tischgestelle still, aber designstark ruhen.

 

Fließende Innovationskraft
 

Lebensfreude und Lebensgefühl plätschern ebenfalls im Bad fröhlich und kreativ. Die neuesten Innovationen sind hier breit gefächert, wie der Blick in den „Salone del Bagno“ zeigt. Auf der Biennale für’s Bad trumpften die Hersteller kräftig auf und zeigten Schönheiten, die in Kürze Markt und Wellnessoasen erobern werden – und klar stellen, dass Design im Bad längst kein Topping, sondern integraler Bestandteil ist, vom kreativ geschwungenem Wasserhahn über durchdachte Badewannen bis zum charmanten „stillen Örtchen“.

 

Neue „steps“
 

Auch abseits der reinen Produktnovitäten, die sich beim „Salone“ auf Schritt und Tritt finden, ihre Spezialität aber nicht immer auf den ersten Blick, sondern in der intensiveren Auseinandersetzung und im Gespräch mit den Profis offenbaren, überrascht die Messe mit Neuem, auf das es sich genauer zu schauen lohnt. Ein Beispiel ist das neue Format „Salone Raritas“, das innerhalb des Messegemenges auf inspirierende Weise in den Fokus rückt und an der Schnittstelle von kreativem Design und künstlerischem Ansatz, auf jeden Fall aber mit dem großen bisschen Mehr versehen, balanciert. Sie eröffnet so neue, überraschende Momente – ein Umstand, der sich auch auf die Messe selbst übersetzen kann. Der „Salone“ hat es in den letzten Jahren geschafft, sich bei aller Beständigkeit weiterzuentwickeln und neue Wege beschritten. Der „next step“ folgt mit „Salone Contract“. Der Kick-off erfolgte bereits bei dieser Ausgabe, unter anderem Talks, die ein Schlaglicht darauf werfen, warum dieses Thema – und der Name ist definitiv Programm – so essenziell für die Branche ist und Fahrt aufnimmt, insbesondere auf der Mailänder Möbelmesse. Innovation und Inspiration liegen hier dicht besammen und dies zeigt sich vor allem auch bei den Präsentation.

 

Inspirationsquelle
 

Während die großen italienischen Brands hinter großen, spektakulären Aufbauten ihre neuesten Schätze hüten, offenbaren andere Hersteller den Branchenprofis freizügiger, was sie im Talon haben – und geben zugleich Anreize, was gute Präsentation kann und wie sie sich aufmerksamkeitsstark umsetzen lässt. Auch das ist Messe und ein unschätzbares Element, auf das oft bei Besucher:innen von Messen inmitten des kunterbunten Innovationsreigens, absolviert im Turbodurchlauf, vergessen wird: Es geht nicht nur um Innovationen-Spotting oder Kunden-Hopping, sondern eben auch darum, Neues zu entdecken, sich mit Produkten auseinanderzusetzen, Inspiration zu finden, ins Gespräch zu kommen. Das macht das Messeerlebnis und schlussendlich Differenzierung und gutes Business aus – und den Salone del Mobile.Milano, der bei allen geopolitischen und wirtschaftlichen Herausforderungen auch bei seiner diesjährigen Ausgabe wieder als internationaler Anziehungspunkt seine Kraft ausspielte, die Branche, Mailand und die Welt zu bewegen vermochte.

 

Ein ausführlicher Nachbericht folgt in Kürze und in der Printausgabe 2/2026 zeigen wir Highlights vom „Salone“ – stay tuned!

 

www.salonemilano.it