Deutsche Küchenmöbelindustrie: Es geht leicht bergauf 24.09.2026 11:48 Die deutsche Küchenmöbelindustrie atmet vorsichtig auf. Der Umsatz konnte bis Ende Juli um 2 Prozent zulegen, auch die Prognose für das Gesamtjahr liegt leicht über dem Vorjahr.
 Jan Kurth, VdDK-Geschäftsführer; Foto: VHK Jan Kurth, Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Küchenmöbelindustrie e.V. (VdDK), berichtete diese Woche auf der Jahres-Wirtschaftspressekonferenz in Löhne: „Die Auftragslage hat sich im Jahresverlauf weiter stabilisiert“.
In den ersten sieben Monaten dieses Jahres setzten die 43 Betriebe mit ihren 17.300 Beschäftigten laut amtlicher Statistik rund 3,4 Milliarden Euro um, ein Plus von 2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dabei gelang im Export (plus 2,8 Prozent auf rund 1,6 Milliarden Euro) ein stärkerer Zuwachs als auf dem Heimatmarkt (plus 1,4 Prozent auf rund 1,8 Milliarden Euro). Die Exportquote erhöhte sich leicht auf 46,7 Prozent (Vorjahr: 46,2 Prozent). Die Küchenmöbelindustrie ist damit deutlich stärker im Ausland vertreten als die gesamte deutsche Möbelindustrie, die eine Exportquote von 35,3 Prozent aufweist.
Im Monat Juli verbuchte die deutsche Küchenmöbelindustrie eine kräftige Umsatzsteigerung um knapp 9 Prozent auf 466 Millionen Euro. Jan Kurth, Geschäftsführer VdDK: „Dieser Zuwachs ist sehr erfreulich, sollte angesichts des schwachen Vorjahresniveaus und des etwas späteren Ferienstarts aber nicht überinterpretiert werden. Wir sehen zwar eine Stabilisierung der Nachfrage, bleiben aber angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen nach wie vor vorsichtig.“
Der Anteil der Kurzarbeit liegt im dritten Quartal mit 13 Prozent deutlich unter dem Wert in der gesamten deutschen Möbelindustrie (40 Prozent), wie eine Verbandsumfrage ergeben hat.
Die Auftragslage der Branche habe sich in den vergangenen Monaten gefestigt, berichtete der VdDK-Geschäftsführer. Von Januar bis August dieses Jahres übertraf der wertmäßige Auftragseingang nach verbandsinternen Erhebungen das Vorjahresniveau um 1,9 Prozent. Gemessen an den Stückzahlen belief sich das Plus auf 0,7 Prozent.
Der Blick auf die wichtigsten europäischen Absatzmärkte fällt gemischt aus. Im ersten Halbjahr 2026 sanken die Küchenmöbelausfuhren nach Frankreich, dem wichtigsten Exportmarkt, um 1,9 Prozent auf 294,5 Millionen Euro. Rückläufig entwickelte sich laut der amtlichen Außenhandelsstatistik auch der Absatz in Großbritannien (minus 4,6 Prozent). Deutlich zulegen konnten die deutschen Hersteller dagegen bei ihren Lieferungen in die Niederlande (plus 5 Prozent), in die Schweiz (plus 12,4 Prozent), nach Belgien (plus 6,9 Prozent) sowie nach Spanien (plus 1 Prozent). Importe rückläufigRückläufig entwickelten sich unterdessen die Küchenmöbelimporte nach Deutschland, die bei diesem Segment – anders als etwa bei Polster- oder Wohnmöbeln – mit einem Importanteil von nur 4,3 Prozent geringe Bedeutung haben. So sanken die Küchenmöbeleinfuhren in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 9,2 Prozent auf rund 77 Millionen Euro. Das mit großem Anstand wichtigste Lieferland Polen, das für 34 Prozent aller Importe steht, konnte um 7,4 Prozent zulegen. Weniger Küchen als im Vorjahr wurden unterdessen aus Litauen (minus 4,2 Prozent), Italien (minus 35,8 Prozent), Österreich (minus 5,5 Prozent) und China (minus 58,4 Prozent) geliefert. Nur 185.000 fertiggestellte Wohnungen heuerNeben der schwachen Anschaffungsneigung der Verbraucher:innen bekomme die Küchenbranche die Folgen des rückläufigen Wohnungsbaus zu spüren, berichtete Kurth. Die Zahl der fertiggestellten Wohnungen wird einer Prognose des Ifo-Instituts in diesem Jahr weiter auf 185.000 sinken und erst ab 2027 leicht ansteigen. Wenn weniger gebaut werde, falle der Einrichtungsbedarf entsprechend niedriger aus. Nicht nur würden weniger neu gebaute Wohnungen eingerichtet, auch verringere sich die Anzahl der dadurch ausgelösten Umzüge in der Kette. Erfahrungsgemäß zieht ein Neubau inklusive der Folgeumzüge den Kauf von zwei bis drei neuen Küchen nach sich.
Mit einer Wohneigentumsquote von nur 43,5 Prozent belegt Deutschland im europäischen Vergleich den letzten Platz, wie eine Studie des Pestel-Instituts ergeben hat. Der Wert liegt damit auf dem niedrigsten Stand seit zwanzig Jahren. Als Ursachen nennt das Institut hohe Baukosten, gestiegene Zinsen und die Wohnungsbaupolitik der vergangenen Jahre. „Eigentümer investieren nicht nur mehr in die Einrichtung als Mieter. Mehr Eigentum bedeutet auch mehr Neu- oder Umbau, mehr Umzüge und damit mehr Dynamik im Immobilienmarkt”, stellte der Verbandsgeschäftsführer fest.
Sorgen bereiten der Branche Kurth zufolge zudem die wieder anziehenden Preise für Vorprodukte. Vor allem die Unsicherheiten auf den Rohstoffmärkten infolge der Spannungen im Nahen Osten haben die Beschaffung verteuert. Betroffen sind vor allem Transportdienstleistungen, aber auch Holzwerkstoffe, für deren Herstellung auf Harnstoff basierende Harze benötigt werden, Metallkomponenten und Kunststoffteile. Die daraus resultierenden Kostensteigerungen belasten die Küchenmöbelhersteller zusätzlich in einem ohnehin anspruchsvollen Marktumfeld. Regulierungshammer erschwere vielesDarüber hinaus leidet die deutsche Küchenmöbelindustrie unter der wachsenden Regulierungsdichte in Europa, wie Kurth erläuterte. Zahlreiche neue europäische Regulierungsvorhaben wie die Ökodesign-Verordnung samt dem Digitalen Produktpass, die Verpackungsverordnung oder die EmpCo-Richtlinie gegen Greenwashing verursachten einen erheblichen Verwaltungsaufwand. Besonders mittelständische Hersteller stünden vor der Herausforderung, umfangreiche Daten- und Nachweispflichten entlang der gesamten Lieferkette zu erfüllen. Grundsätzlich unterstütze die Branche das Ziel eines nachhaltigeren Wirtschaftens. Die Regulierung müsse jedoch ökologische Anforderungen mit praktikablen und wirtschaftlich tragfähigen Umsetzungswegen in Einklang bringen.
Für das Gesamtjahr 2026 rechnet Kurth für die deutsche Küchenmöbelindustrie mit einem kleinen Umsatzplus im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Zuversicht schöpfe die Branche aus der seit Monaten stabilen Auftragsentwicklung und der wieder anziehenden Nachfrage in wichtigen europäischen Absatzmärkten. Nach drei Jahren mit rückläufigen Umsätzen zeichne sich damit eine schrittweise Marktbelebung ab, auch wenn das wirtschaftliche Umfeld weiterhin von Unsicherheiten geprägt bleibe. Zur Aufhellung der Konsumstimmung in Deutschland forderte er eine schnelle Entlastung der Verbraucherinnen und Verbraucher sowie des verarbeitenden Gewerbes bei den stark gestiegenen Kraftstoffpreisen. 100 Jahre Frankfurter KücheDer Stellenwert der Küche sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, stellte Kurth fest. Die Einbauküche habe sich seit den Anfängen als “Frankfurter Küche”, die vor 100 Jahren das Wohnen revolutionierte, vom funktionalen Arbeitsraum zum Mittelpunkt des Wohnens entwickelt. Als Treffpunkt für Familie und Freunde, als Ort des Genusses und der Kommunikation präge sie heute das Zuhause vieler Menschen stärker denn je. „Die gestiegene Bedeutung der Küche als zentraler Lebensraum, die hohe Effizienz der Produktion und die Innovationskraft der Unternehmen stimmen unsere Branche trotz der bestehenden Herausforderungen insgesamt optimistisch.“
Zudem böten sich den Herstellern Chancen in der Ausstattung weiterer Wohnbereiche wie Essen, Wohnen, Flur und Hauswirtschaftsraum. Vor allem im Ausland sei dieses übergreifende Vermarktungskonzept im Handel schon weit fortgeschritten. www.moebelindustrie.de www.vhk-herford.de
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