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Möbelhandel fährt Hochschaubahn

14.01.2020 09:39

Uneinheitlich zeigt sich die konjunkturelle Entwicklung im deutschen Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandel. Nach Ups und Downs in 2019 ist der Umsatz so positiv wie die vom BVDM erwartete Entwicklung für 2020.


Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Das Jahr 2019 ist (fast) Geschichte und glich einer Berg- und Talfahrt, so der Handelsverband Möbel und Küchen (BDVM). Das Positive: Der Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandel, zu dem das statistische Bundesamt 8.500 Unternehmen mit 100.000 Beschäftigten zählt, hat im Jahr 2019 den Umsatz des Vorjahrs um rund vier Prozent übertroffen und liegt mit 34,2 Milliarden Euro Jahresbruttoumsatz auf hohem Niveau. Ergibt sich dieses Ergebnis aus Hochrechnungen auf Basis der ersten zehn Monate 2019 nach Werten des statistischen Bundesamtes, ist auch die Perspektive für das neue Jahr gut: So erwartet der Handelsverband Möbel und Küchen (BVDM) für 2020 eine stabile Nachfrage. Immerhin sind die Rahmenbedingungen in Deutschland für den Handel gut: Die Beschäftigungsquote ist auf Rekordniveau, das verfügbare Einkommen steigt, die Neubautätigkeit befindet sich auf hohem Niveau. Gleichzeitig präsentiert sich der Umsatzverlauf der Branche uneinheitlicher denn je – eine Tatsache, hinter der .globale Trends im Handel stehen, die alle Vertriebsformen herausfordern.

 

Neue Herausforderungen

Das Informations- und Einkaufsverhalten wird in Deutschland immer hybrider, die lange gehegte Annahme, dass sich die Kaufkraft immer mehr in die Peripherie der Städte mit ihren großen Möbelmärkten und -discountern verlagere, wird durch klare Präferenz jüngerer Käuferschichten zu hippen Standorten in florierenden Städten ausgehebelt. Selbst für Möbel und Küchen muss es eine Erreichbarkeit ohne Auto geben, verbunden mit der Zustellung der Ware. Darauf haben erst wenige Unternehmen der Branche eine Antwort, zudem ist es schwierig geworden, die zunehmende Kaufkraft der Bevölkerung auf die Branche zu lenken. Der neue, starke Konkurrent der Einrichtungswirtschaft heißt ‚Entwicklung der Wohnkosten‘, die mit ihrer ungesunden Steigerung von Kauf- und Mietpreisen sowie wachsenden Nebenkosten Kaufkraft binden, die nicht in Möbel und Küchen investiert werden kann. Darüber hinaus sinkt die Bereitschaft zum Umzug und wo weniger Wohnungen neu bezogen werden, wird weniger für eine neue Einrichtung ausgegeben. Wenn die amtliche Statistik also einen Umsatzgewinn von vier Prozent ausweist, sind es die Umsätze des „Einzelhandels mit überwiegend Wohnbedarf“. Der Handelsverband Möbel und Küchen geht davon aus, dass hier Randsortimente, die bislang über andere Branchen vertrieben wurden, eine zunehmende Rolle spielen, sowie Dienstleistungsumsätze, denen Beratungs- und Serviceleistungen gegenüberstehen.

 

Mittelständische Fachhändler reüssieren

Während die Volumenvermarkter im Jahr 2019 vielfach über Umsatzrückgänge und leerstehende Häuser klagten, konnten die mittelständischen Fachhändler eher positive Entwicklungen melden. Gleichwohl sind Möbel und Küchen Produkte, die grundsätzlich stationär gekauft werden, daher geht der BVDM von nur zehn Prozent reinem Onlineanteil aus, wobei durch die zunehmende digitale Präsenz von Möbelkonzernen eine Abgrenzung zwischen stationärem Geschäft und Distanzhandel nur schwer möglich ist. Für den Handel sind digitale Angebote insbesondere dort interessant, wo Wohnräume und Küchen virtuell dargestellt werden, Produkte ganz konkret in diese Welten positioniert und mit unterschiedlichen Farben und Materialien gezeigt werden. Hier gibt es immer mehr Unternehmen, die sich in den vergangenen zwölf Monaten mit Augmented Reality, der computergestützten Wahrnehmungserweiterung, in die Öffentlichkeit begeben haben. Der BVDM sieht dies als attraktive Ergänzung zur persönlichen Beratung, die das Vorstellungsvermögen unterstützt.

 

Spannende Entwicklung

Generell ist die Möbel- und Küchenbranche eine mittelständisch geprägte Einzelhandelsbranche, auch wenn die Konzentration fortschreitet und vor allem Großunternehmen wachsen, wie die jüngsten Übernahmen gezeigt haben. Sind die Einkaufsverbände stark, in denen mehr als 80 Prozent aller Handelsbetriebe mit mehr als 60 Prozent des Branchenumsatzes in Einkaufsverbänden organisiert sind und dazu mittlerweile fast alle in Deutschland und Österreich marktführenden Unternehmen zählen, zeigt sich zudem eine Konsolidierung unter den Verbundgruppen, wo auch die traditionelle Trennung zwischen Möbelhäusern, Vollsortiment und spezialisierten Küchenhändlern immer stärker überwunden wird. Derzeit fügt sich der Möbel- und Küchenhandel zu neuen Verbundgruppenkonstellationen und zerbricht traditionelle Strukturen. Der Flächenzuwachs hat sich im vergangenen Jahr weiter abgeschwächt, es wird mehr Bestand übernommen und von den über rund 23 Mio. Quadratmeter Verkaufsfläche, über die der deutsche Möbelhandel verfügt, werden mit sechs Mio. Quadratmetern ein Viertel der Fläche von 170 Häusern mit mehr als 25.000 Quadratmetern Verkaufsfläche betrieben werden.

 

Stationärer Handel goes online

Ebenfalls spannend: Der Online-Handel mit Möbeln gewinnt weiter an Bedeutung. Gut 3,5 Milliarden Euro brutto, also zehn Prozent des Gesamtumsatzes, wurden 2019 mit Möbeln, Küchen und Einrichtungsgegenständen erwirtschaftet, wobei sich zunehmend auch klassische stationäre Händler einsteigen und seit August 2018 auch im neuen Beruf „E-Commerce-Kaufmanns/frau“ ausgebildet wird, woran sich auch der Möbel- und Küchenhandel beteiligt.

 

Klares Möbel-Podest

Betrachtet man die Sortimentsbereiche, so sind Küchenmöbel mit 26 Prozent Umsatzanteil die stärkste Warengruppe. Zweitgrößte Warengruppe sind die Polstermöbel mit 22 Prozent, gefolgt von den Schlafzimmermöbeln mit 13 Prozent, wobei Boxspringbetten unverändert Verkaufsschlager – allerdings zu Lasten der sonstigen Schlafzimmermöbel – sind, und Wohnzimmermöbel runden das Bild mit elf Prozent Umsatzanteil ab.

 

Mit Power in die Zukunft

Und die Zukunft? Die Herausforderungen der Logistik seien nicht ohne eine weitere Klassifizierung und Standardisierung von Möbeln und Küchen zu meistern, so das klare Bild – und an einem solchen System für Möbel, Küchen und den Fachsortimentsbereich wird beim Verein eClass bereits mit Hochdruck gearbeitet. Zudem benötigt die Branche gut qualifizierte Fachkräfte in allen Bereichen, die insbesondere an der Fachschule des Möbelhandels (Möfa) in Köln-Lindenthal ausgebildet werden.
Die Erwartungen für das Jahr 2020 sind jedenfalls positiv, die Rahmenbedingungen für das Jahr 2020 sind grundsätzlich gut, insbesondere dank demselben Bauvolumen wie im Vorjahr, dem bestehenden Wohlstand in Deutschland sowie dem Trend zu Nachhaltig- und Langlebigkeit. Was die deutsche Möbel- und Einrichtungsbranche kann, wird aktuell auf der imm cologne in Köln deutlich, wo sich nicht nur deutsche Unternehmen mit voller Stärke, sondern auch der BVDM auf Stand B09 am Messebouldevard gegenüber Halle 4 mit Partnern präsentiert – und den Herausforderungen wird sich der deutsche Möbelhandel mit gewohnter Stärke und Innovationskraft stellen.

 

www.wohnenundbuero.de

www.bwb-online.de








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