RegioData untersuchte Österreichs Einkaufsstraßen 30.09.2026 14:36 Wie sieht es mit der Frequenz in Österreichs Einkaufsstraßen aus? RegioData analysierte präzise und kleinräumige Passantenfrequenzen. Das Ergebnis ist durchwachsen.
 Auch in modernden Einkaufsstraßen geht die Frequenz teilweise zurück. Foto: Lilly Unterrader/wohninsider  Grafik: RegioData Eine aktuelle Analyse von RegioData Research zeigt wenig überraschend: Der Graben und die Wiener Kärntner Straße sind mit großem Abstand die frequenzstärksten Einkaufsstraßen des Landes. Während touristisch geprägte Toplagen zulegen konnten, geraten andere etablierte Handelszonen durch Geschäftsschließungen zunehmend unter Druck. Besonders deutlich fällt der Rückgang in Graz aus. Graben und Kärntner Straße on TopÖsterreichs höchste Passantenfrequenz weist mit deutlichem Abstand der Graben in Wien mit rund 56.000 Personen pro Tag auf. Dahinter folgt die Kärntner Straße in Wien mit mehr als 53.000 Personen. Auf Platz drei folgt die Mariahilfer Straße mit rund 34.500 Passanten täglich. Mit einem Touristenanteil von nur 28 % ist sie deutlich stärker von der lokalen und regionalen Bevölkerung abhängig als die beiden Spitzenreiter. Dennoch besuchen im Jahr 2025 täglich knapp 10.000 Touristen diese Einkaufsstraße. Im Vergleich zum Vorjahr musste sie allerdings einen Frequenzrückgang von knapp 9 % hinnehmen. Ein möglicher Grund dafür sind die zahlreichen Geschäftsschließungen der vergangenen Jahre, darunter bekannte Namen wie Nike, Salamander, Gerry Weber, Benetton, Delka, Hallhuber und Promod. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich auf der Wiener Favoritenstraße, die ebenfalls Frequenzrückgänge verzeichnet. Mit einem Touristenanteil von lediglich 8 % ist sie besonders stark auf die Nachfrage aus ihrem unmittelbaren Einzugsgebiet angewiesen. Die steirische Hauptstadt verliert starkBesonders auffällig ist die Entwicklung in Graz. Sowohl die Herrengasse als auch die Sackstraße verzeichnen einen massiven Frequenzrückgang zwischen 2024 und 2025 von rund 20 %. Und das, obwohl der Touristenanteil leicht gestiegen ist und mittlerweile bei etwa 38 % liegt. Die Entwicklung fällt mit zahlreichen Geschäftsschließungen in der Grazer Innenstadt zusammen. Unter anderem haben bekannte Handels- und Gastronomiebetriebe wie H&M, Café Sacher, Benetton, Salamander, Orsay, Stiefelkönig und Manner ihre Standorte aufgegeben. Der Verlust solcher etablierten Betriebe dürfte wesentlich dazu beitragen, dass die Grazer Innenstadt insbesondere für Besucher aus dem Umland an Anziehungskraft verliert. Gleichzeitig gab es 2024 auch frequenzerhöhende Sondereffekte durch Neueröffnungen und Standortverlagerungen, darunter die Eröffnung des neuen Douglas-Standorts am Hauptplatz. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich auf der Kremser Landstraße in St. Pölten. Auch hier haben Geschäftsschließungen, unter anderem von Benetton, Leonardo und Paolo, das Einkaufsangebot verändert und dürften zum Rückgang der Passantenfrequenz beigetragen haben. Touristen machen FrequenzAm Wiener Kohlmarkt kommen 77 % der Passanten von außerhalb. Wie stark der Tourismus die Passantenfrequenzen beeinflussen kann, zeigt sich besonders deutlich am Wiener Kohlmarkt. 77 % der dort erfassten Passanten kommen aus einer Entfernung von mehr als 50 Kilometern – der höchste Anteil unter den untersuchten Einkaufsstraßen. Dahinter folgt die Salzburger Getreidegasse mit einem Touristenanteil von rund 60 %. Die Analyse zeigt einen klaren Zusammenhang: Einkaufsstraßen mit einem hohen Touristenanteil entwickeln sich tendenziell positiv oder können ihre Frequenzen zumindest stabil halten. Insbesondere die stark touristisch geprägten Wiener Einkaufsstraßen profitieren von der zusätzlichen Nachfrage internationaler und überregionaler Besucher. Allerdings ist der Tourismus kein Garant für steigende Frequenzen. Auch in Salzburg zeigen sich trotz des hohen Anteils auswärtiger Besucher rückläufige Entwicklungen in einzelnen Einkaufsstraßen, etwa in der Linzergasse. Meidlinger Hauptstraße zeigt: Auch Nahversorgung kann Frequenzen steigern Dass steigende Passantenfrequenzen nicht ausschließlich vom Tourismus abhängen, zeigt die Wiener Meidlinger Hauptstraße. Sie verzeichnet trotz eines geringen Touristenanteils eine positive Entwicklung. Ausschlaggebend dafür dürften insbesondere die Stärkung des Nahversorgungsangebotes sowie demografische Veränderungen im Einzugsgebiet sein. Die Meidlinger Hauptstraße zeigt damit, dass auch Einkaufsstraßen mit einer starken lokalen Ausrichtung ihre Frequenzen steigern können, wenn das Angebot auf die Bedürfnisse der Bevölkerung abgestimmt ist. Fazit: Tourismus und wertiger Geschäftsbesatz sind ein MussRegioData-Analyse zeigt einen übergreifenden Trend: Selbst unter Österreichs 20 frequenzstärksten Einkaufsstraßen sind tendenziell mehr Standorte von Rückgängen als von Zuwächsen betroffen. Besonders häufig gehen sinkende Passantenfrequenzen mit der Schließung wichtiger Geschäfte und einem veränderten Branchenmix einher. Während touristisch geprägte Einkaufsstraßen vielfach von zusätzlichen Besuchern profitieren, stehen stärker lokal ausgerichtete Handelszonen vor der Herausforderung, ihre Attraktivität für die Bevölkerung und das Umland zu erhalten. Doch Tourismus allein ist kein Garant für steigende Frequenzen, wie das Beispiel Salzburg zeigt. Umgekehrt beweist die positive Entwicklung der Meidlinger Hauptstraße, dass auch abseits touristischer Toplagen Wachstum möglich ist. Entscheidend bleibt ein attraktiver und vielfältiger Geschäftsbesatz, der auf die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung ebenso ein geht wie auf jene der Besucher aus dem weiteren Einzugsgebiet. https://www.regiodata.eu
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