Adieu, Mittelmaß

Wie ein Kaufhaus aus Osnabrück mit traditionsreicher Geschichte, einem kreativen Konzept und noch ausgefalleneren Marketingideen Europa und sogar die Welt erobert.

Von Lilly Unterader

Die Kamera ist immer dabei. Was Tobias Schonebeck anfasst, macht er mit ganzem Herzen – und unter steter Beobachtung der Social-Media-Kamera. Denn zu berichten gibt es immer viel - und neuerdings noch mehr: So wurde das Kaufhaus SCHÄFFER kürzlich nicht nur mit dem European retail Award zu einem der innovativsten Shopkonzepte Europas gewählt, sondern als global honoree bei den gia‘s mit vier weiteren Stores auch weltweit zum kreativsten Fachgeschäft gekürt.

Immer ein bisschen mehr

Mit Durchschnittlichem gibt sich das Kaufhaus SCHÄFFER in Osnabrück schon lange nicht mehr zufrieden. Alles ist durchdacht, überlegt, ideenreich und bis ins Detail geplant: ob das nun der scheinbar simple Anspruch, nur die schönsten, ausgefallensten und innovativsten Produkte zu kuratieren ist, oder die Ladengestaltung, die einen Männershop mit Geschenkideen für den Herrn ebenso beinhaltet wie eine frisch umgestaltete Silberabteilung, die sich am Kundennutzen orientiert. Dann gibt’s da noch die Integration einer Konditorei in das Kaufhaus, um für die bereits bestehende Kundschaft individuelle Tortenproduktion für Hochzeit, Taufe, Einschulung zu ermöglichen. Das Konzept ist rund, in jeder Hinsicht.

 

Gleiches gilt für Nachhaltigkeitsaspekte wie den bevorzugten Einsatz regionaler Materialien, der Versorgung des Kaufhauses von Ökostrom, eine ausgeklügelte Nachtkühlung an heißen Sommertagen oder die ca. 40 kWPeak große PV-Anlage am Dach. Auch der Eventbereich ist mit Veranstaltungen wie „Nachts im Kaufhaus“ für Kinder mit Spiel- und Mitmachstationen, einer Live-Kinder-Disco, ein Märchenerzähltheater, ein Dancing-show zum Mitmachen bis hin zur Gegenveranstaltung zum Black Friday, wo SCHÄFFER im Rahmen des so genannten Pink-Weekend eine riesen Shoppingparty von Freitag bis Montag veranstaltet mit Live-Musik, 100 Liter Gratis-Wein und kulinarischen Köstlichkeiten, extravagant.

Abgerundet wird das Engagement mit Marketingaktivitäten wie einer eigenen App, publikumswirksamen lokalen Kooperationen mit z.B. Banken oder auch Diskotheken, um bewusst auch junges Publikum zu erreichen und die Verbreitung in entsprechenden Social Medias wie Instagram, Facebook und künftig vermehrt auch Tiktok. Der professionell durch eine Werbeagentur bespielte Instagram-Account zählt bereits mehr als 10.500 Follower.

All das fungiert unter dem Unternehmens-Leitbild geführt „Empfinde tief, erwäge klug, handle recht!“. Denn das Unternehmen hat nicht nur eine 137-jährige Geschichte, sondern trägt auch soziale Verantwortung, wie etwa die Carl Schäffer-Stiftung für regionale, soziale Projekte in der Jugendhilfe und im Tierschutz bezeugt.

Für die internationale Jury in Chicago waren das mehr als gute Gründe, zu den Besten der Besten weltweit zu küren: so lautete die Begründung:

•    Hervorragende Kundenbindung durch faszinierende, einzigartige Erlebnisse und Aktivitäten im Laden

•    Ausgeprägtes soziales Verantwortungsbewusstsein sowie ein klares und starkes Bekenntnis zur Nachhaltigkeit

•    Wunderschön gestaltetes Visual Merchandising mit Wow-Effekten durch auffällige, aufwendige Dekorationen und spezielle thematische Pop-up-Bereiche

Wir haben den geschäftsführenden Gesellschafter Tobias Schonebeck in Chicago getroffen und um kurze persönliche Einblicke gebeten:

Was bedeutet der gia für das Unternehmen und dich als Unternehmer persönlich?

Es ist eine Riesen-Bestätigung für unsere Idee, uns immer wieder neue zu hinterfragen, Ideen auszuprobieren und Veränderungen anzustoßen. Bei vielen heute intensiv diskutierten Fragen nach Perspektiven des Einzelhandels, der Kaufhäuser und auch des Wandels von Innenstädten braucht es schon viel Mut, in diese Zukunft zu investieren. Der gia bestärkt und unser Team, auf diesem Weg. Ich bin schon sehr glücklich, diese Auszeichnung auch gerade für unser Team empfangen zu dürfen.

Du hast erwähnt, dass ihr den gia auch werbetechnisch so richtig nützen wollt. Was ist hier genau vorgesehen?

Wir haben bereits aus Chicago viele Stories in den sozialen Medien gesendet und unsere Community damit fast live nach Chicago mitgenommen. Ich hatte dazu extra einen Videographen aus Osnabrück mitgenommen, damit wir entsprechend gutes Material haben. Daraus sind tolle Videos entstanden, zudem werden wir den Pokal am 20. April26 hier in Osnabrück mit unserer Bürgermeisterin enthüllen. Er bekommt dann seinen endgültigen Platz im Kaufhaus, sodass ihn jeder Besucher anschauen kann. Es schließt sich unsere Jubiläumswoche „PINK WEEK“ mit besonderen Angeboten für unsere Kunden an, da wir in diesem Jahr auch 135 Jahre Schäffer feiern. Auch die Presse ist da sehr interessiert und wird berichten. Das ist eine tolle Außenwirkung, über die wir uns sehr freuen. Und natürlich stoßen wir gerade auch mit unserem Team an und es gibt eine Party.

Welche Visionen habt ihr für die Zukunft. Wo seht ihr SCHÄFFER in fünf Jahren?

Die Dynamik steigt und wir werden hoffentlich immer schneller und besser die Wünsche unserer Kunden erfüllen und ihnen neue Ideen an die Hand geben. Events und Erlebnisse werden immer wichtiger und Vertriebskanäle rücken zusammen. Das Konsumverhalten ändert sich schneller denn je und man sieht es Innenstädten an. Wir wollen da bereichern und einfach eine richtige tolle Adresse für eine Erlebnisauszeit mitten in der City sein. Das ist weit mehr als nur der Verkauf von Waren, sondern pure Emotion und einzigartige Erlebnisse.

Was liebst du am meisten an deinem Job/deiner Aufgabe?

Ich liebe diese vielen Facetten in meiner Arbeit. Jeder Tag ist anders und hält Neues bereit. Ich habe es in der Hand, die Zukunft zu gestalten. Das ist sicher auch viel Verantwortung, aber eben auch eine tolle Chance. Ich liebe den Kontakt mit Menschen - mit Kunden, mit Partnern und ganz besonders mit unserem tollen Team, für das ich sehr dankbar bin. Ohne diese Menschen wäre das Ganze gar nicht machbar.

Mit drei Worten - wie würdest du den USP eures Geschäftsmodells beschreiben?

Individuell, authentisch, sympathisch, innovativ, aber das sind schon vier Worte und die reichen eigentlich immer noch nicht ...

Seit wann betreibt ihr Social Media so intensiv und was erwartest du/ihr euch davon?

Seit ca. drei Jahren arbeiten wir mit einer tollen Agentur auf diesem Niveau und lernen jeden Tag dazu. Mir ist enorm wichtig, dass wir diese wichtige Zielgruppe früh genug für uns begeistern. Wir müssen da präsent sein, wo Menschen Lust auf uns haben. Ich bin leider schon viel zu alt, um das zu bewerten, und daher musste ich lernen, wirklich loszulassen und der Agentur zu vertrauen. Es ist gar nicht so leicht, bei dem gigantischen Angebot von socialmedia-Inhalten überhaupt wahrgenommen zu werden. Das klappt eben nur, wenn der Inhalt nicht in erster Linie mir gefällt, sondern für die Zielgruppe und aus deren Erwartungshaltung umgesetzt ist. Damit haben wir schon jetzt eine tolle Präsenz, die weit über unsere Region ausstrahlt.

Warum sollte aus deiner Sicht jeder ambitionierte Facheinzelhändler in eurem Segment an den global innovation awards teilnehmen?

Alleine die Bewerbung führt schon dazu, dass man sich mit den wichtigen Kriterien, die erfolgreiche Retailkonzepte ausmachen, intensiv auseinandersetzt. Es werden einem schon selber Stärken und Schwächen bewusst und das eigene Entwicklungspotential präsent. Auch wenn das nicht immer ganz leicht fällt, da immer eine ganze Menge noch nicht optimal läuft, so blickt man automatisch immer wieder über den Tellerrand und das ist enorm wichtig. Konzepte werden nicht von allein besser, sondern leben von einer ganz ergebnisoffenen Betrachtung. das führt dann automatisch auch zu einer Reflektion der eigenen Position im Vergleich zu Wettbewerbern. Im Idealfall ergibt sich der Gewinn des Awards, aber für mich war die ganze Auseinandersetzung schon Wert an sich. Ein Highlight war dann im Rahmen der GIA-Preisverleihung das Jurygespräch, bei dem ich unheimliche gute Impulse aus der Stärken- und Schwächenanalyse der international erfahrenen Handelsexperten mitgenommen habe. Viele neue Ideen, die wir angehen werden ...

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