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So lief's während des und nach dem Lockdown im Handel

24.06.2020 14:43

Der heimische Handel ist einer der am schlimmsten betroffenen Branchen durch Covid-19. Genaue Zahlen dazu lieferte die WKO in Kooperation mit der KMU Forschung Austria.


Foto: Schebach

Die Zahlen sprechen für sich. Der heimische Handel hat in den Monaten März und April einen Verlust von 2,2 Mrd Euro hinnehmen müssen. Erst der Mai gibt mit einem vorläufigen Zuwachs von +3,3% etwas Hoffnung. So lautete die Bilanz des Obmann der Bundessparte Handel, KommR Peter Buchmüller, GF der Bundessparte Handel, Mag. Iris Thalbauer und Dr. Wolfgang Ziniel von der KMU Forschung Austria in der gemeinsamen Pressekonferenz am 23.6. in der Wirtschaftskammer Österreich.

Die Zahlen im Detail

Im März hatte der heimische Handel insgesamt einen Rückgang von 16,3% gegenüber Vorjahr zu verzeichnen. Rechnet man hier den Einzelhandel der Grundversorgung raus, kommt man auf 42,8%.

Noch stärker fiel der Rückgang im April aus: -20% insgesamt, -46,2% ohne Grundversorgung.

Erst der Mai bringt insgesamt mit +3,3% leichte Entspannung, ohne Lebensmittel, Drogerien etc. gibt's hier immer noch ein Minus von 3,9%.

Auch bei den Arbeitslosen (fast 600.000 Personen sind im Handel beschäftigt) gibt es Rekordwerte. Im Mai waren 67.000 Personen arbeitslos gemeldet, 300.000 MitarbeiterInnen in Kurzarbeit.

Buchmüller sprach angesichts dessen von "tiefen Furchen" in der heimischen Landschaft.

So wirtschaftete die Branche

Der Möbelhandel meldete im März einen Rückgang von -46,2%, im April sogar -61,6%. Dabei hatte der Jänner mit +2,3% bzw. Februar mit 1,7% durchaus erwartungsfroh begonnen.

Etwas besser sieht es im Elektrohandel aus: Während Jänner (+1,3%) und Februar (+5,3%) ebenfalls positiv starteten, brachte der Lockdown im März (-27,2%) und der April (-32,5%).

Der Bau- und Heimwerkerbedarf konnte mit +9,4% im Jänner und +18,2% im Februar äußerst stark starten. Der März brachte -23,1%, der April -10%.

Wie geht's weiter?

Die KMU Forschung Austria errechnete anhand von 5.000 Jahresabschlüssen, wieviel die heimischen Händler heuer erwirtschaften müssten, um den Break Even zu erzielen. Demnach müsste der Einzelhandel im Durchschnitt zumindest 78% des Vorjahresumsatzes erzielen, um das Jahr 2020 zumindest mit einer schwarzen Null zu beenden. Als Basis wurden hierbei jedoch nur jene 62% der Handelslandschaft herangezogen, die auch im Vorjahr positiv bilanzierten. Sprich: "38% der gesamten Handelslandschaft in Österreich machten 2019 keinen Gewinn", so Buchmüller.

Soll heißen, die Situation ist auch ohne Corona prekär. Dier heimische Handel hatte, so Ziniel, "Einbußen wie noch nie."

Blick über die Grenzen

Vorsichtig positiv zu betrachten ist die Gesamtsituation im europäischen Umfeld. Einerseits liegt Österreich mit -18,1% Umsatz-Rückgang absolut im europäischen Mittelfeld.

Zum anderen, haben sich die Österreicher, wie Thalbauer unterstreicht, zu einem Gutteil zur heimischen Wirtschaft bekannt. Gerade im Onlinehandel hätten die österreichischen Shops wie www.shoepping.at viel Zuspruch bekommen.

Aufruf an Bevölkerung und Politik

Die Forderungen sind daher klar. Dem österreichischen Handel dürfe gerade jetzt auch international kein weiterer Wettbewerbsnachteil erwachsen, wie etwa durch die Senkung der Mehrwertsteuer in Deutschland.

Gleichzeitig sei die gesamte Bevölkerung jetzt aufgerufen, die heimische Wirtschaft zu unterstützen, sei es mit Urlaub oder Einkauf. Das Ziel muss sein, dass wir "schnell wieder dorthin kommen, wo wir hingehören", so Buchmüller abschließend.

Gleichzeitig verabschiedete sich Peter Buchmüller auch aus seiner Funktion als Handelsobmann:

„Ich durfte in den vergangenen zehn Jahren vieles kennenlernen, sowohl als Kollektivvertragsverhandler für die Arbeitgeberseite im Handel als auch als Obmann der WKÖ-Bundessparte Handel. Diese Erfahrungen nehme ich für meine neue Tätigkeit als Präsident der Wirtschaftskammer Salzburg mit.“

Die konstituierende Sitzung der Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer Österreich mit der Wahl der neuen Führung findet am 25.6.2020 statt.

www.derhandel.at

www.kmuforschung.ac.at

 

 








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