Andreas Diepold: Was wir am besten können

Seit ziemlich genau einem Jahr ist Andreas Diepold nun an der Spitze der BSH Österreich. Im Gespräch mit wohninsider erklärt der deklarierte Bayern München-Fan, warum er schon vor zehn Jahren hätte nach Österreich kommen sollen und weshalb das Recht auf Reparatur für die BSH wie ein Lotto-Sechser ist.

Von Lilly Unterrader

Die Stilarena in Wien Favoriten befindet sich an diesem Mittwoch mitten in einer Umbauphase. Im Herbst gilt es, das zehnjährige Jubiläum zu feiern. Bis dahin sollen auch die Markenausstellungen von Bosch und Neff im neuen Glanz erstrahlen.

Andreas Diepold, den Herrn des Hauses, treffe ich bei sommerlichen Temperaturen und hemdsärmelig in seinem Büro oberhalb des BSH-Ausstellungsraums.

Andreas, in der internationalen Pressekonferenz der BSH bilanzierte CSS Rudolf Klötscher die Umstrukturierungen der Vertriebskanäle für Deutschland positiv. Wie sieht es in Österreich aus?  Ist diese Änderung abgeschlossen und wie hat der Handel darauf reagiert?

Andreas Diepold: Eine Vertriebsorganisation ist nie ganz abgeschlossen. Als ich hier übernommen habe, war jedoch die meiste Vorarbeit schon geleistet. Das Wesentliche dabei: Ich habe in lauter positiv gestimmte Gesichter geblickt. Zudem:  Es sind alle Leute weiterhin an Bord, wir gehen mit der vollen Mannschaft in die Re-Organisation. 80% der Leute betreuen dasselbe Gebiet, nur vertreten sie jetzt zwei Marken statt einer.

Wir leisten uns bewusst eine große Mannschaft, denn das gibt uns Vorteile gegenüber Wettbewerbern. Der persönliche Kontakt wird sehr geschätzt, das sieht man dann auch bei Veranstaltungen wie der Bosch Concept Partner Tagung. Denn auch wenn es immer heißt, alles wird immer digitaler, ist es doch der Mensch, der das Geschäft macht.

Wie laufen die Fachhandels-Exklusiv-Linien? Und die Vereine? Gibt’s hier noch weiße Flecken oder ist die Marktdurchdringung erreicht?

Diese Konstruktionen der Vereine Bosch Concept Partner oder Siemens studioLine-Händler sind sehr clever.  Die Partner in diesen Vereinen sind sehr aktiv, da werden Sortimente mit uns als Hersteller diskutiert, und bei den gut besuchten Tagungen wird nicht nur gefeiert, sondern sich auch aktiv ausgetauscht, Wissen vermittelt. Dass Küchenfachhändler unterschiedlicher Verbände derart in den Austausch gehen, das kannte ich aus Deutschland nicht.

Regional sind wir sicher gut abgedeckt und die meisten Markenhändler sind auch in diesen Vereinen Mitglied.

Aus diesem Grund sind wir nun dabei, den NEFF Studio Partner Plus Verein zu revitalisieren. Dafür haben sich bereits 160 Händler angemeldet.  Wir wollen damit NEFF wieder aktiver spielen, denn sie ist gerade für den Küchenhandel eine tolle Marke, mit der man sich wirklich unterscheiden kann. Wenn ich Händler wäre, würde ich jedenfalls NEFF führen.

In diesem Zusammenhang sei auch die verlängerte Siemens Forum Küche Garantie in Kooperation mit der Garantiedatenbank 24 erwähnt (siehe auch hier). Dabei kann der Fachhandelspartner die Garantie auf die Geräte gegen eine überschaubare Gebühr auf bis zu zehn Jahre ausweiten.   Garantieverlängerung ist gerade in Zeiten mangelnder Nachfrage ein tolles Tool, um mit bereits bestehenden Kunden wieder ins Gespräch zu kommen. Aktuell nutzen es leider noch zu wenig Partner aktiv.

Wo liegt aktuell der Fokus in Sachen Marketing?

Aktuell läuft eine große Markenkampagne zu Siemens anlässlich 100 Jahre Backofen. – Egal ob am Messestand, in Social Media oder am POS, der Wiedererkennungswert muss hier gegeben sein. Unser Außendienst leistet hier auch tagtäglich Überzeugungsarbeit, damit unsere Handelspartner den vorbereiteten Content über ihre Kanäle entsprechend streuen. Wir wollen es dabei den Händlern so einfach wie möglich machen, etwa über unsere Agentur Social Pals. Jedoch: den letzten Schritt muss der Händler selbst machen. 

Was die Marken betrifft, setzen wir verstärkt auf die entsprechende Botschaft:

Bei Siemens das Thema Intelligenz, Qualität bei Bosch und Individualität bei NEFF.

Plus: Für den Herbst können wir schon jetzt weitere Highlights ankündigen.

In Österreich erzielte die Niederlassung einen Jahresumsatz von rund 296 Millionen Euro und damit ein Wachstum von +2,1% - im Gegensatz zur BSH international, wo es einen Rückgang gab. – Worauf ist das positive Ergebnis speziell in Ö zurückzuführen? Wie läuft das aktuelle Jahr?

Wir sind in einer Branche unterwegs, ohne die man nicht kann. Wenn wir unseren Job ordentlich machen, haben wir somit immer unseren Anteil am Markt. In anderen Branchen ist das nicht so. Gerade in Deutschland macht uns im Küchenbereich die fehlende Neubautätigkeit zu schaffen, in Österreich ist die Lage aufgrund des höheren Altbestands etwas stabiler. Als Altbestand zählt alles vor 1949 und dieser Anteil ist in Österreich bei 24 %, dazu kommen die Bauten aus der so genannten Gründerzeit vor 1919. Gerade hier gibt es viel aufgestauten Bedarf.  Insbesondere Wien verfügt über einen der größten zusammenhängenden Bestände an Gründerzeitbauten weltweit.

In den Altbauwohnungen kannst du nicht einfach eine Küche von der Stange reinstellen, da musst du Rücksicht nehmen auf hohe Decken, schiefe Wände, unebenen Boden – das gibt es anderswo gar nicht. Dazu kommt, dass die Österreicher:innen gerne Geld für Genuss und Lebensmittel ausgeben. Ich sage immer, du kriegst hier praktisch nichts Schlechtes zu essen, da muss man sich schon Mühe geben. (lacht). Und Ähnliches gilt für Einrichtung/Wohnen,  auch in den Möbelhäusern erkennt man mehr Leidenschaft.  

International betrachtet sieht es in Europa besser aus als in China etwa, wo nicht nur wir aktuell unsere Schwierigkeiten haben, denn die Chinesen entdecken gerade ihre eigenen Marken.

Insofern, Europa geht’s besser als dem Rest, jedoch können wir uns nie zurücklehnen.

Was das aktuelle Jahr betrifft, erwarten wir eine ordentliche Entwicklung, leicht einstellig über dem Vorjahr, und einen traditionsgemäß starken Herbst. Die Elektrofachhandelstage in Linz sind dabei wieder ein Stimmungsindikator. Aus unserer Einschätzung ist die Lage aktuell besser als die Stimmung manchmal dargestellt wird.

Auf die Kanäle bezogen entwickeln sich Elektro- und Möbelfachhandel in etwa gleich.

Wie entwickelt sich der Bereich Consumer Goods? Wie ist die Nachfrage/das Potenzial etwa des Einbau-Saugroboters? Wie entwickeln sich die anderen Bereiche?

Der Bereich umfasst viele Produktgruppen und das muss man auf die einzelnen Segmente aufteilen. Das Thema Kaffee ist ein Wachstumsmarkt. Hier ist im September mit neuen Serien und einer komplett neuen Kategorie – wir steigen in das Segment der Siebträger ein – zu rechnen.

Ebenfalls gut entwickeln sich die Staubsauger, mit dem Einbau-Staubsaugerroboter haben wir ein zusätzliches Feld betreten und neue Geschichten zu erzählen. In anderen Segmenten – etwa bei den Küchenmaschinen – spüren wir, wie der gesamte Markt, zunehmend starken Wettbewerbsdruck. Von einigen Segmenten, wie etwa Bügeln, haben wir uns getrennt, bei Handmixern sind wir dagegen Marktführer.

Welche weiteren Trends zeigen sich?

Der Matt-Trend scheint sich zu verfestigen, dem tragen wir mit einer Erweiterung unseres SortimentsRechnung. Wir werden etwa einen matten Herd bringen. Und wir werden in Sachen Geschirrspülen wieder das Thema Trocknen in den Fokus rücken. In Verbraucherstudien haben wir festgestellt, dass praktisch alle Geschirrspüler heute gut reinigen, aber wir haben – schon seit Langem – mit Zeolith die beste technische Lösung für Trocknen. Bei dessen Einführung haben wir auch den deutschen Umweltpreis dafür bekommen.

Wie will man dem weiterhin schwierigen Marktsituationen begegnen? – Einerseits hinsichtlich der allg. Kaufzurückhaltung, andererseits bzgl. wachsende Konkurrenz aus Fernost?

Wir machen das, was wir gut können, setzen auf unseren starken Außendienst, gut ausgebildete Leute, die nicht nur etwas verkaufen wollen, sondern auch manchmal als Psychologen, Mutmacher, Aufbauer fungieren.

Zum Zweiten werden wir unsere Qualitätsstandards sicher nicht runterschrauben, um einen gewissen Preispunkt zu erreichen. Wir können stolz sein auf zahlreiche Testsieger in verschiedenen Disziplinen und das wollen wir beibehalten. Denn die Leute vertrauen darauf, dass wenn sie ein Bosch-, NEFF- oder Siemens-Gerät kaufen, sie etwas Ordentliches bekommen.

Daher ist die neue Reparatur-Richtlinie für uns wie ein Sechser im Lotto. Im Handel werden sich sicher einige überlegen, mit wem man künftig enger zusammenarbeitet. Denn wer weiß besser über die Produkte Bescheid als jener, der in engem Austausch mit den Fabriken steht. Und das ist leichter, wenn die Fabriken in der Nähe sind.

Vielen ist nicht bewusst, dass die BSH in zahlreichen Fabriken in Deutschland und anderen europäischen Ländern fertigt, wie zum Beispiel in Traunreut, nahe an der oberösterreichischen Grenze, wo jeden Tag rund 3000 Menschen unsere Produkte im 3-Schicht-Betrieb herstellen. Die Kleingerätefabrik in Nazarje (Slowenien) ist nur wenige Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Für Staubsauger beispielsweise haben wir noch eine eigene Fabrik im deutschen Bad Neustadt. Das ist eine unserer Antworten auf die wachsende Konkurrenz. Das spornt uns an.

Was ist nun deine persönliche Bilanz nach einem Jahr BSH Österreich?

Ich habe zu meiner Frau gesagt, ich hätte das schon vor zehn Jahren machen sollen. Denn natürlich spielt die persönliche Ebene hier wesentlich mit. Es geht uns hier sehr gut, es macht Spaß. Auch die Mitarbeiter sind alle engagiert und fleißig, haben gefühlt alle zwei Jobs und erfüllen diesen großartig mit einer Leidenschaft. Zudem ist man hier in Österreich viel näher am Geschäft, wir versuchen unsere Kunden zu unterstützen, reparieren die Geräte selbst. Ich war einen Tag mit einem Techniker unterwegs und habe dabei sehr viel gelernt: Die Menschen waren nicht ungeduldig, weil ein Gerät ausgefallen ist, sondern allesamt froh, dass wir kommen und ihnen helfen …

WORDRAP mit Andreas Diepold

Ein guter Tag beginnt für mich … mit einem guten Kaffee

Die Hausgeräte-Branche bedeutet für mich … ¾ meines (spannenden) Lebens

Mein größtes Talent ist … Zuhören

So würde mich mein bester Freund beschreiben… entspannt, trotzdem ehrgeizig

Wenn ich etwas erfinden könnte, wäre das… eine nicht versiegende Eneergiequelle für die Welt, ohne schädliche Einflüsse.

Dieses Gericht bereite ich am liebsten in einem Dampfbackofen zu… Kaiserschmarrn nach Uli Helmigers Rezept

Allianz Stadion oder Stilarena?  Montag bis Freitag die Stilarena, am Wochenende dann das Allianz-Stadion