"Wenn es am schönsten ist ..."

„Ehrlich“ – mit diesem Adjektiv beschreibt Alfred – Fred – Janovsky sich selbst und das ist es auch, mit dem ihn wohl die gesamte Branche assoziiert. Allseits beliebt und verlässlich ist er, der langjährige General Manager von AEG Electrolux, der mit Ende Juni, nach 27 Jahren im Unternehmen, in den Ruhestand geht. Ein emotionaler Abschied.

von Lilly Unterrader

Manche sagen, er hätte eine ganz untypische, andere meinen eine Bilderbuch-Karriere hingelegt: Alfred Janovsky. Seit 1999 ist er, der weder Studium noch Matura hat, wie er gesteht, bei AEG Electrolux an der Spitze und seit knapp 40 Jahren in der Weißwaren-Branche.

„Ich kam aus einem Bundeskonvikt für Knaben und hab dann – meiner Mutter zuliebe –die Handelsschule abgeschlossen, wo rundherum nur Mädchen waren“, erzählt er mit einem Schmunzeln.

Für Ablenkung war in der Schule gesorgt und so startete der junge Janovsky früh in sein Berufsleben bei Foto Nettig, wechselte später durch Anraten eines Schulfreunds in den Außendienst von Fussenegger Dekor Trachtenstoffe.

Erste Berührungspunkte mit dem Möbelhandel

In Summe war der Job jedoch unbefriedigend, das Vorhang-Geschäft war bereits in den Möbelhandel verlagert und dieser hatte einen Zentraleinkauf. Auf der Suche nach neuen Herausforderungen kam Janovsky schließlich an einem lauen Sommernachmittag auf der Donauinsel auf einem Gartenmöbel sitzend die Idee, Herstellern dieser Polster Stoff anzubieten – mit Erfolg, „dort habe ich schließlich neue Kundenschichten gewonnen und plötzlich kilometerweise Stoff verkauft.“

Der gleiche besagte Freund war es dann schließlich auch, der Janovsky den Einstieg in die Weißwaren-Branche eröffnete: „Er hatte bei Tyrolia, die Firma wurde damals gerade von elektrabregenz aufgekauft, angefangen mit dem Hinweis, die würden auch jemanden für den Außendienst im Osten suchen. Also bin ich – komplett ahnungslos, denn meine Jugend bestand aus einem Gasherd und einem Standkühlschrank – 1987 zu elektrabregenz gekommen.“ 

Die Geburtsstunde der Setpreisliste

Das Unternehmen war damals top-aufgestellt, erzählt er, allerdings nur im Elektrohandel. Es folgte ein weiterer Wendepunkt in seiner Karriere: „Ich war bei einem Elektrohändler in der Buckligen Welt unterwegs und in der Mittagspause habe ich mich im Ort umgesehen, ein Möbelhaus mit viel Glas und großer Küchenausstellung entdeckt. An der Front dominierte das Logo von Siemens, also bin ich reingegangen und hab den Verkäufer gefragt, ob er vielleicht Geräte von elektrabregenz in die Ausstellung nehmen möchte. Ich legte ihm meinen Katalog hin, woraufhin der mich konstatiert ansah, mir den Katalog zurückschupfte und meinte: ‚Das brauch ich nicht, ich möchte mich nicht zum Deppen blättern.‘“

Der Moment des Augenblicks gab Janovsky schließlich die nötige Eingebung: „Haben’S eine Schere? Was brauchen Sie? Einen Einbauherd, ein Kochfeld, einen Geschirrspüler? Das hab ich dann auf einen Zettel geklebt, den Katalogpreis dazugeschrieben und einen Setpreis kalkuliert. Das war sogleich auch die Geburtsstunde der Setpreisliste.“

Die Ambition war von Erfolg gekrönt, wie er berichtet, „in einem Quartal hab‘ ich damals mit dem Studio 300.000 Schilling Umsatz gemacht, was eine Sensation war. Mit dem Elektrohandelsgeschäft im ganzen Jahr 80.000 Schilling. – Damit war aber auch klar für mich, wohin es mich in Zukunft zieht.“  Damit einher ging auch ein neuer Blickwinkel – der Vorlauf, das Bestellen mit Termin, das die Kollegen aus dem Elektrohandel so nicht kannten.

Die weiteren Schritte waren vorprogrammiert, „ich habe dann nur noch Möbelhandel in Ostösterreich gemacht, wo auch die Leiner-Kika-Zentrale positioniert war. Den damaligen Einkäufer Leo Iribauer hab ich schließlich bei der letzten ÖMS – Möbelfachmesse in Salzburg – endlich erwischt und die Listung bei der Großfläche begonnen.“

Drei Jahre später war Janovsky Verkaufsleiter für ganz Österreich, als elektrabregenz sich von Wien trennen und die Zentrale nach Schwaz in Tirol verlegen wollte. „Ich kannte damals schon meine Frau Susan und wir haben überlegt, was wir tun sollen. Dann kam über einen Headhunter das Angebot von Electrolux Österreich, wo ich nach kurzem Überlegen am 1. Februar 1999 begonnen habe.“

Alle reden – nur nicht miteinander

Auch hier erwartete ihn ein AHA-Erlebnis: „Gefühlt hatte der kleine Zanussi (genau genommen der Electrolux-Konzern, der vorher Zanussi übernommen hatte, Anm. d. Red) 1994 den großen AEG gekauft und im Unternehmen haben alle geredet, nur keiner miteinander. Das zentrale Thema waren Waschmaschinen, Einbau war de facto nicht vorhanden, es gab keine Listung in einem Möbel-Verband, alles war auf den Verkauf über die damalige Elektrohandelskette Cosmos fokussiert.“

Janovsky weiter: „Ich hatte schlaflose Nächte, wusste, ich muss alles umbauen. - Natürlich habe ich meine Kontakte genutzt, war u.a. bei Leiner und holte mir wieder eine Abfuhr. - Also machte ich dem damaligen Einkaufsleiter ein konkretes Angebot: ‚Geben Sie mir ein halbes Jahr Zeit, wenn es euch dann taugt, listet unsere Geräte. In dem Fall hätte ich dann gern im Sommerschluss-Verkauf-Prospekt die Rückseite mit der DAN-Küche mit unseren Geräten drinnen.“

Bei der DAN-Hausmesse gab es dann, so Janovsky, für viele Händler ein weiteres Überraschungsmoment. „Warum sind da jetzt AEG-Geräte drinnen und zwei Backöfen nebeneinander? Will DAN das nun in jedem Outlet mit AEG?“ – AEG war in aller Munde, der Bann gebrochen: „Wir hatten so viele Anfragen, die wir gar nicht alle gleich bearbeiten konnten. Es gab aber – aus der Historie heraus – keinen Außendienst mehr von AEG und so haben die Leute von Zanussi und Juno die AEG mitverkauft.“

Im Möbelfachhandel war AEG Electrolux damit wieder gut positioniert, und für den Elektrohandel holte Janovsky seinen Freund Poldi Saric ins Haus. „Wir waren ein wunderbares Team – er hat das einfach toll gemacht. Sein früher Tod ist noch immer ein sehr emotionales Thema für uns.“

Also hast du eigentlich immer den Kunden gefragt: Was brauchst du eigentlich?

„Ja, mein großer Vorteil war, ich war niemals voreingenommen. Ich habe immer genau zugehört und war offen. Dann hat sich schließlich die Wertigkeit der Küche verschoben. Früher war das 1/3 Geräte, 2/3 Holz, das ging aber immer mehr zugunsten der Gerätschaft.“

Schnell war klar: „Wir brauchen mit AEG ein Produkt, mit dem wir zum Kochspezialisten werden … Und dann kommt der Multidampfgarer von links hinten.“ (zwinkert).

Nach Herausforderungen mit einer neuen EDV und einer schlechten Warenverfügbarkeit durch die Werksschließung in Nürnberg, ging es ab 2010 wieder bergauf. „Wir haben eine neue Range, neue Klasse bekommen, einen neuen Marketingmann (zwinkert in Richtung Martin Bekerle) und auch mehr Drive. Wir sind noch mehr in Richtung Möbel gegangen, haben die Kochvorführungen perfektioniert, in einer Linie mit Wiedererkennung. Das hat sich so gut und konstant entwickelt, sodass wir heute noch bis zu 300 Kochvorführungen im Jahr veranstalten, die noch immer gut genutzt werden.“

Und die Mannschaft um Janovsky entwickelte damit ein neues Selbstbewusstsein: „Das haben wir bis heute durchgezogen, denn wir müssen weder mit unseren Produkten noch mit unseren Messeauftritten verstecken.“

Playing Capitain

Den Erfolg – „wir entwickeln uns mit einem vor stark angeschlagenen Möbelmarkt, positiv im zweistelligen Bereich und sind mit AEG eine der am schnellsten wachsenden Marken“ – führt Janovsky jedoch in erster Linie auf die Mannschaft zurück. „Das gesamte Orchester muss zusammenspielen, viele unserer Leute sind schon viele Jahre bei uns.“

Auch die aktuelle Entwicklung der Marke Electrolux am österreichischen Markt laufe höchst erfolgreich, so Janovsky, „Wir sind quasi mit einem NoName auf 2,8% MA im Möbelhandel gekommen. Haben einen Katalog und ein Kernsortiment, das wars.“

Pandemie und die Zeiten der Unberechenbarkeit

Die Pandemie, ihre langfristigen Nachwehen und die damit einhergehenden Marktschwankungen waren dann ein Seitenhieb für alle. Janovsky: „Zuerst ging das Geschäft durch die Decke, danach kam der vorprogrammierte Bauchfleck, die Inflation, der Krieg.“ Zusammengefasst meint er: „Ehrlich gesagt, 2023 hätte ich nicht aufhören wollen, da ging wirklich nichts mehr. Aber danach haben wir die Kurve gekriegt. Der Konzern hat in die Marke AEG investiert, denn du brauchst neben Backen und Waschen auch die Themen Kühlen und Spülen auf Top-Niveau. Das haben wir jetzt. Dazu kam dann endlich der Muldenlüfter, on top mit Saphirglas, das keiner so kann wie wir. – Bei der letzten küchenmeile hat Petra Haupt, die ich über den Stand führen durfte, gemeint: Fred, ihr seid in aller Munde – und zwar positiv. Das ist eine Weltchance.“

Dann kam auch noch der Überraschungsstar – der Pizza-Expert hinzu. – Da war für mich klar: Jetzt ist alles fertig – jetzt kann ich in Pension gehen.

Wenn es am schönsten ist …

Alfred Janovsky geht also zu einem Zeitpunkt, der aus seiner Sicht am schönsten ist. „Wir sind bestens aufgestellt, haben Top-Leute, besser kann es nicht sein. – Rückblickend kann ich nur sagen, es kommt mir unwirklich vor, wie schnell das dann alles geschehen ist, was alles passiert ist. Es waren viele Emotionen dabei, oder Momente, wo es dich auf den Hintern setzt …“

Du würdest dich für den Job also nochmals bewerben?

Zwischenruf Martin Bekerle: „Das müsste er nicht, wir würden genau ihn suchen. Der einzige Fehler, den er gemacht hat, ist jener der frühen Geburt.“ (zwinkert).

Und so fasst Janovsky zusammen: „Viele sagen, ich habe eine Bilderbuch-Karriere hingelegt, weil ich hab nie wirklich was gelernt, aber was ich getan habe, hat mir immer Spaß gemacht. Natürlich muss sich der Erfolg einstellen und das Ergebnis passen, aber eine Gaude muss auch immer mit dabei sein, das hab ich stets versucht, auf meine Mitarbeiter:innen zu übertragen. Ich hab immer tolle Leute um mich gehabt und das Glück, dass wir als kleines Österreich nie so im Rampenlicht gestanden sind. Wir haben oft einfach gemacht, von dem wir dachten, dass es das Richtige sei und nicht gefragt. Wir haben zum Beispiel 5 Jahre Garantie eingeführt - und nichts gesagt. Als dann die Weisung aus der Zentrale kam, meinten wir, das hätten wir schon lange…  Der Beweis für unser Handeln war schließlich die positive Entwicklung am Markt.“  

Abschließend – was würdest du anders machen, wenn du nochmals von vorne beginnen würdest?

„Im Großen und Ganzen nichts, vielleicht ein paar kleine Dinge. Man muss wissen, ich habe nie angestrebt, Geschäftsführer zu werden. Es hat sich immer perfekt ergeben. Die Leistung hat immer gepasst und ich musste mich nie verbiegen, damit war der nächste Step vorprogrammiert. Natürlich bleibt einem manchmal die Luft weg, wenn du viel Peronalverantwortung hast und mit Problemen, menschlichen Schicksalen konfrontiert bist.

"Aber heute, nach knapp 40 Jahren, darf ich sagen: Danke, das war’s. So gern ich den Job gemacht hab, aber jetzt geht es primär um die Befindlichkeiten von meiner Frau und mir.“

Und was steht dann im Juli und August auf eurer Agenda?

Ich lasse es auf mich zukommen, möchte wieder mehr auf meinen Körper schauen, meine Gesundheit, weniger rauchen. Muskeln aufbauen, damit ich gegen ihn (Blick in Richtung Martin Bekerle) beim Golfen wieder mehr Chancen habe. (lacht). …

Wordrap:

Ein guter Tag beginnt für mich mit … Sonnenaufgang

Was schätzt du an der Möbelbranche? …kurze Antwort? - Design

Wenn ich nochmals beginnen würde … würde ich alles genauso machen.

Bei dem Lied geht es mir immer besser… Stairway to Heaven von Led Zeppelin

Multidampfbackofen oder Teppan Yaki Grill? ... Multidampfbackofen

Welches Adjektiv beschreibt dich am besten? ... ehrlich

Der Wunsch an die gute Fee? ... gesund bleiben