wohninsider 3.2026

03.2026 | Juni/Juli | wohninsider.at 65 DESIGN : TRENDS präsenter. Meine Theorie ist, dass die Unternehmen angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage lieber auf Farbpaletten zurückgreifen, von denen sie wissen, dass diese ankommen und sie damit schon guten Umsatz gemacht haben. Es ist schon ein kluger Schachzug, an Vertrautes anzudocken und die Möglichkeit für ein „Mix & Match“ zu schaffen, indem Konsument:innen ihre Einrichtung mit neuen Möbeln in bekannten Farbnuancen erweitern oder updaten können. Gleichzeitig ist es auch sehr rückwärts gewandt. Dabei haben Konsument:innen ja Lust auf was Neues. Wie gelingt der Balanceakt? Wenn ich Farbpaletten entwickle, schaue ich immer in alle Richtungen. Bei RAL COLOUR FEELING, wo ich meine Farb- und Trendexpertise einbringe, kuratieren wir jedes Jahr 15 Trendfarben und gestalten Paletten, die gut miteinander kombiniert werden können. Das ist also eine Evolution, immer mit Farbinnovationen, die wirklich neu auftauchen. Damit können Marken gut arbeiten und es reicht auch oft, wenn sie zwei neue Farbtöne ins Portfolio aufnehmen, um die ganze Palette aufzufrischen. Das ist schlussendlich auch nachhaltiger in der Produktion. Es braucht ja immer ein bisschen, bis neue Farben in großem Stil aufgegriffen werden. Oft sind kleine Marken progressiver, im ersten Jahr wird es nur ein Kissen, dann ein Armlehnstuhl in einer neuen Farbe sein und so setzt sich das fort. Der Blick der Marken ist auch, wie sich in Mailand gezeigt hat, nicht mehr so eurozentristisch, sondern internationaler. Es machen sich indische, ostasiatische, lateinamerikanische, überhaupt globalere Einflüsse bemerkbar, aber auch KI-beeinflusste Formensprachen. Es gibt nicht mehr „den einen Stil“. Es geht um Emotionen, darum, dass Produkte, Farben, Materialien ansprechen und Freude machen. Wohin führt aktuell die Farbreise? Die Tendenz geht zum Midimalismus: Weder zu stark noch zu wenig farbig, chromatisch, gedämpfter, stabilisierender. Das wird ganz unterschiedlich aufgegriffen. Brands mit minimalistischer Design-DNA bleiben ihrem Weg treu, die Gestaltung wird aber wärmer, aufgelockerter, während sich maximalistisch präsentierende Unternehmen etwas zurücknehmen. Mitteltöne, also Farben in einer mittleren Helligkeit und Sättigung, haben aktuell eine Präsenz wie lange nicht mehr. Die Farbpaletten sind nuancierter. Leuchtende Akzente werden in zurückhaltendere Farben eingebunden und so ergeben sich spannende Effekte. Wird mehr aus dem weiten Feld zwischen neutralen und hochchromatischen Farben geschöpft? Durchaus. Oft wird von Farbextremen ausgegangen, das Feld dazwischen ist aber viel größer und wird meistens nicht so bespielt, weil es an Wissen fehlt. Das beginnt schon damit, dass Farben oft nicht klar benannt werden können. Knallorange und Terrakotta sind bekannt und eindeutiger benennbar, bei anderen Tönen wird's schon schwieriger. Rottöne sind aktuell die wichtigste Rottöne, von dunkel bis leuchtend, sind angesagt, gesichtet von Alina Schartner in Mailand u.a. im Nilufar Depot. „Glas avanciert zum Material Nummer eins“, so die Expertin. Ein Beispiel: 6AM auf der MDW. » „Es gibt nicht mehr 'den einen Stil'. Es geht um Emotionen, darum, dass Produkte, Farben, Materialien ansprechen und Freude machen.“ „Der Fachhandel kann mit Produkten in anderen als den überall präsenten Standardfarben in der Ausstellung hervorstechen, Konsument:innen ansprechen und sich abheben.“

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