wohninsider 3.2026

66 wohninsider.at | Juni/Juli | 03. 2026 DESIGN : TRENDS Farbfamilie. Das hat sich in den letzten Jahren abgezeichnet, jetzt sind sie am Vormarsch, vor allem dunklere Nuancen wie Burgunder oder Ox Blood Red, generell wird aber die ganze Palette von leuchtend bis gedeckt rauf und runter gespielt. Braucht es mehr Wissen, mehr Sensibilität, mehr Auseinandersetzung mit dem Thema Farbe? Absolut. Ich mache mich für „Colour Education“ stark und der Fachhandel, Interior Designer:innen und Planer:innen profitieren von mehr Know-how beim Thema Farbe, weil sie sich damit profilieren und differenzieren können. Ein Großteil der Interiors in Österreich und Deutschland ist grau, beige und vor allem weiß. Das ist für Menschen in dem Ausmaß nicht gesund. Hochweiß ist für unser Nervensystem anstrengend, Auge und Körper brauchen Abwechslung. Es fehlt an Wissen und an Mut. Das Potenzial wird nicht ausgenutzt, Räume mit Farben, Materialien und Oberflächen individuell und wohltuend zu gestalten. Der Fachhandel kann mit Produkten in anderen als den überall präsenten Standardfarben in der Ausstellung hervorstechen, Konsument:innen ansprechen und sich abheben. Trendfarben sind nicht immer Bestseller, aber bringen Aufmerksamkeit. Schauräume müssen mehr Möglichkeiten aufzeigen, als das, was alle ohnehin schon kennen. Welche Trends zeigen sich beim Material? Es dürfen wieder mehr Texturen, porösere und kuschligere Materialien sein. Glas avanciert zum Material Nummer eins, natürlich in verschiedenen Formen und Funktionen, von Glasbausteinen und Vasen über Beistelltische bis zu sehr skulpturalen Leuchten, die fast wie Schmuckstücke gearbeitet sind. Es zeigt sich auch ein Wandel weg von Silber hin zu wärmeren Metallen wie Messing, das jetzt wiederkommt und sich ausgehend vom Leuchtenbereich den Weg in die Küchen bahnt. Wie spielen Farbe, Material und Oberfläche zusammen? Sie greifen ineinander, auch wenn natürlich nicht jede Farbe für jedes Material gleich gut funktioniert, manchmal weil gewisse Farben mit gewissen Funktionen konnotiert sind und es kulturell gewachsene Farbschemata gibt. Der Kontext ist entscheidend. Positiv ist, dass Farbe nicht mehr nur unreflektiert als Topping zum Einsatz kommt, sondern unter anderem in Mailand hat sich gezeigt, dass Farben, Materialien und Finishes zunehmend wirklich als Gesamtkonzept miteinander gedacht und realisiert werden. Es wird stärker mit verschiedenen Finishes gespielt und Hochglanz mit matt öfter miteinander kombiniert, die Texturen gemixt. Dieser Trend eröffnet auch bei Renovierungsprojekten neue Möglichkeiten, weil zum Beispiel nicht alle Fronten auf einmal ausgetauscht werden müssen. „Mix & Match“ ist also ausdrücklich erlaubt? Mut zum „Mix & Match“ darf auch hier sein. Neben Farben und Materialien werden aktuell auch Muster gemischt. „Pattern Maxxing“ ist angesagt, also Muster mit Mustern zu kombinieren, und das Layering aus verschiedenen Epochen und Stilen. Wie kann der Fachhandel die aktuellen Trends mit der eigenen Unternehmensphilosophie unter einen Hut bringen? Ich würde jedem Unternehmen raten, nicht jedem Trend blind folgen, aber natürlich zu beachten, was am Markt angesagt ist und diese Tendenzen entsprechend der eigenen Unternehmensphilosophie aufzugreifen. Schon Kleinigkeiten machen den großen Unterschied, wie Kissen oder andere Accessoires in einer Trendfarbe oder angesagtem Mustermix. Interior Design soll inspirieren. Es braucht nur mehr Mut, vor allem zu Farbe. alinaschartner.com Wärmere Metalle wie Messing, aber auch lebendiger Marmor ziehen verstärkt in Küche und Interior Design ein, wie in Mailand von Alina Schartner u.a. bei Arclinea und Artemest gesehen. „Das Potenzial wird nicht ausgenutzt, Räume mit Farben, Materialien und Oberflächen individuell und wohltuend zu gestalten." „Schauräume müssen mehr Möglichkeiten aufzeigen, als das, was alle ohnehin schon kennen.“

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