4_AugustSeptember2026

04.2026 | August/September | wohninsider.at 15 BRANCHENTALK wohninsider: Eine Ära endet, eine neue beginnt: Mit Jahreswechsel schließt „Möbel Klein“ und du beginnst deine „zweite Karriere“ im Ruhestand. Ist diese Entscheidung schon länger gereift? KR Ing. Johann ‚Hans‘ Klein: Es stimmt, mit Ende Dezember ist Schluss bei „Möbel Klein“. Ich schließe meinen Betrieb und lege auch mein Amt in der Wirtschaftskammer nieder. Meine Gerichtsgutachtertätigkeit habe ich bereits zurückgelegt. Es ist schon soweit alles abgeschlossen und ich erledige nur noch die letzten Aufträge. Ich habe mich rund drei Jahre mit der Entscheidung getragen, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen. Meine beiden Kinder verfolgen ihre eigenen Berufswege und der ausschlaggebende Punkt war die Entwicklung bei der Immobilie, in der das Geschäft „Möbel Klein“ seit Jahrzehnten beheimatet ist, die sich abgezeichnet hat und dazu führt, dass ich den Schlussstrich ziehe. Blickst du mit Freude oder mit Wehmut auf diesen Schritt? Vielleicht hätte ich noch zwei, drei Jahre weitergemacht, jetzt genieße ich eben ein bisschen mehr mein Leben. Ich habe das Unternehmen immer mit viel Herzblut geführt, war von Montag bis Sonntag erreichbar und für meine Kund:innen da. Es hat mir viel Freude gemacht. Jetzt freue mich auf mehr Unbeschwertheit. Du bist rund 45 Jahre in der Branche aktiv. Was siehst du, wenn du in den Rückspiegel schaust? Im Zeitraffer betrachtet zeigt sich, dass Unternehmen immer mit bestimmten Zeiträumen konfrontiert sind, wo sie genau überlegen müssen, wie es weitergeht. Man darf nicht stehen bleiben. Man muss sich immer an die Marktsituation anpassen, schauen, ob Produktsortiment und Präsentation noch stimmen, hinterfragen, ob man am aktuellsten Stand ist. Mir haben dabei die Erfahrungsaustauschgruppen des Verbandes GARANT geholfen, bei denen andere Unternehmer einen ehrlichen Blick auf das Business werfen und Feedback geben. Das finde ich wichtig, weil es die Scheuklappen öffnet und neue Möglichkeit aufzeigt. Heutzutage ist es auch ganz wichtig, auf Social Media präsent zu sein. Wer das nicht ist, ist nicht zeitgemäß. Gleichzeitig gilt es, authentisch zu sein, also dass die Präsentation nach außen dem entspricht, was Kund:innen im Geschäft erwartet. Das war für mich immer essenziell und ich habe in meiner Laufbahn von der Ausbildung als Tischlermeister über das Diplom an der EBS Kuchl bis heute versucht, mir großes Wissen und ein breites Spektrum anzueignen und am Puls der Zeit zu sein. Auch als Gerichtssachverständiger und in meinen Funktionen im Landesgremium Wien und dem Bundesgremium des Einrichtungsfachhandels der WKO war es mir wichtig, mich weiterzuentwickeln, was mir auch gelungen ist, auch wenn es nicht immer ein Spaß war. Eine gute Entscheidung war, schon früh stark auf das Thema Küche zu setzen. Aus der Tischlerei kommend hat uns diese Neuausrichtung einen richtigen Schub verpasst. Der Hauptumsatzträger von fast jedem Fachgeschäft ist die Küche. Mit der Küchenplanung lässt sich das Vertrauen der Kund:innen gewinnen und sie öffnet die Türen für mehr. Stichwort: Ganzheitliches Wohnen. Alle Räume gleich hochwertig zu gestalten, ist heute angesagt. Ich habe das erkannt und nie ausschließlich auf Küche gesetzt, sondern auch den Wohnbereich kontinuierlich auf- und ausgebaut und mich dort mit „Möbel Klein“ gut positioniert. Wenn ich heute ein Geschäft eröffnen würde, würde ich wieder diese Richtung einschlagen und Kund:innen Gesamtkonzepte vom Teppich über Küche und Wohnmöbel bis zur Leuchte anbieten. Mit reinem Möbelverkauf haben Unternehmer heute und in Zukunft keine Chance. Fachprofis müssen Kund:innen Mehrwert bieten und der ist ein ganzheitliches Wohnkonzept. Fotos: Möbel Klein Für sein langjähriges Engagement erhielt Johann Klein im Juni das Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien, verliehen durch den Wiener Bürgermeister Michael Ludwig. Foto: © Stadt Wien/ Christian Jobst „Mit der Küchenplanung lässt sich das Vertrauen der Kund:innen gewinnen und sie öffnet die Türen für mehr.“ »

RkJQdWJsaXNoZXIy NDA0NA==