04.2026 | August/September | wohninsider.at 25 NETZWERKE sicht die größte Barriere, um ein Gerät wirklich reparieren zu lassen. Und daran ändert sich nach Ablauf der Gewährleistungspflicht nichts. Im Gegenteil, der Wegfall des Reparaturbonus (zuletzt Geräte-Retter-Prämie) wirke kontraproduktiv, lautet die Analyse von Wertgarantie, Herstellern und Handelsbetrieben unisono. Demzufolge stimmen auch rund zwei Drittel der Konsumenten der Aussage zu, dass Reparaturen im Vergleich zum Neukauf grundsätzlich zu teuer sind. Damit ist der Preis der Reparatur das Hauptargument gegen ressourcenschonenden Konsum – noch vor dem Gerätealter. Status quo In Österreich wird aktuell rund jedes zweite defekte Elektrogerät, das unter das Recht auf Reparatur fällt, repariert. Neben den hohen Kosten ist das Gerätealter ein weiterer entscheidender Faktor bei einem Defekt: Ist das Gerät bereits älter, erscheint vielen (32 Prozent) hier eine Reparatur nicht mehr sinnvoll – selbst, wenn sie technisch möglich wäre. Günstige Einstiegspreise bei Elektrogeräten verschärfen das Problem: Wenn ein günstiges Neugerät nur unwesentlich mehr kostet als eine Reparatur des defekten Gerätes, entscheiden sich 17 Prozent der Haushalte gegen die Instandsetzung des Altgeräts. „Unsere Untersuchung zeigt klar: Hohe Kosten – besonders im Vergleich zu neuen Geräten – und das Alter des Produkts sind für viele österreichische Konsumenten ausschlaggebend gegen eine Reparatur“, erklärt Thilo Dröge, Geschäftsführer Vertrieb bei Wertgarantie. „Wenn Verbraucher das Gefühl haben, dass sich Reparieren finanziell nicht lohnt, dann verliert das Recht auf Reparatur in der Praxis an Wirkung. Wir müssen den Blick darauf richten, Reparaturen wirtschaftlich attraktiver zu machen – für Konsumenten ebenso wie für den Handel.“ Nicht einmal die Hälfte kennt das Recht auf Reparatur Hinzu kommt, dass das kommende Recht auf Reparatur bislang bei weniger als der Hälfte der Bevölkerung bekannt ist: Nur 40 Prozent der Verbraucher haben bislang davon gehört. Dagegen sind bereits rund 60 Prozent der Fachhandelsunternehmen mit den Richtliniendetails vertraut. Falsche Annahmen werden zudem auf Verbraucherseite deutlich: Rund 17 Prozent der Verbraucher, die sich mit dem Gesetz vertraut glauben, gehen fälschlicherweise davon aus, dass sie Anspruch auf eine kostenlose Reparatur haben. Dennoch überwiegt für Thilo Dröge insgesamt die positive Perspektive: „Das Recht auf Reparatur ist eine große Chance für Österreich, um Ressourcen zu schonen und Elektroschrott zu reduzieren. Entscheidend wird sein, dass Handel, Industrie und Dienstleister eng zusammenarbeiten und tragfähige Strategien entwickeln, um das Ziel ‚Reparieren statt Wegwerfen‘ erfolgreich und nachhaltig umzusetzen.“ Wie sehen die heimischen Haus- geräte-Hersteller das Recht auf Reparatur? Die BSH begrüßt dieses (siehe auch Seite 34 sowie wohninsider online: kurzlinks.de/anq3) und bietet Reparaturen grundsätzlich für alle ihre Produktgruppen an und hat ein Servicenetzwerk von 90 Servicepartnern österreichweit. Geschäftsführer Andreas Diepold verglich das neue Gesetz gar mit einem Sechser im Lotto für serviceorientierte Hersteller wie die BSH. Auch Miele sieht sich dadurch in seinem Tun bestätigt (siehe auch wohninsider online: kurzlinks. de/9nki). Mit rund 80.000 Reparaturen in Österreich gehört der Service seit Jahrzehnten zu den Kernkompetenzen von Miele. Dazu trägt auch die langfristige Versorgung mit Originalersatzteilen bei: Rund 70.000 Ersatzteile sind mindestens 15 Jahre nach Serienauslauf verfügbar. Ähnlich beurteilt das auch Beko Austria, deren Mutterkonzern Arcelik nicht nur in der Türkei laufend mit Nachhaltigkeitspreisen ausgezeichnet wird (siehe auch Seite 32). www.wertgarantie.com www.miele.at www.bsh-group.com/at/de/index.html www.elektrabregenz.com Nähere Infos zum WaRUG seitens der WKO: www.wko.at/handel/elektrohandel/recht-auf-reparatur-aenderungen-gewaehrleistungsrecht (kurzlinks.de/niwj) Die Studie zum Recht auf Reparatur der Wertgarantie: www.wertgarantie.de/sites/default/ files/2026-07/ifh_studie-recht-auf-reparatur_anspruch-umsetzung-undwirkung-aus-perspektive-der-wichtigsten-akteure_2025.pdf (kurzlinks.de/l774) Thilo Dröge, Geschäftsführer Vertrieb bei Wertgarantie. Foto: Wertgarantie/Philipp Lipiarski Foto: Westend61/Eva Blanco
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