Meisterlich von Tischlerhandwerk bis Look

Österreich findet seine neuen Meister:innen: Die 13 Absolvent:innen der Meisterschule für Tischlereitechnik und Raumgestaltung der HTBLVA Graz – Ortweinschule brillieren mit ihren Abschluss- und Meisterstücken, die alles andere als gewöhnlich sind.

 

Ein Möbel ist nicht gleich ein Möbel. Das unterstreichen die 13 Absolvent:innen der Meisterschule für Tischlereitechnik und Raumgestaltung der HTBLVA Graz – Ortweinschule auf vielfältige, eindrucksvolle Weise mit ihren Abschluss- und Meisterstückenbei denen zusammen kommt, was zusammen gehört: Tischlerhandwerk, gestalterischer Spürsinn, Materialkompetenz und technisches Know-how.

Neue kreative Wege
 

Dass ein Möbel nicht nur eine optische und funktionale Dimension hat, beweist Philip Striednig mit „Ristretto Ein Kaffee-Kabinett“, das Kaffeegenuss als sozialen Moment neu interpretiert und die Zubereitung von Kaffee direkt in den Wohn-, Arbeits- oder Verkaufsraum integriert. Formal an Kabinettschränken früherer Zeiten angelehnt, werden diese in eine zeitgemäße, reduzierte, und dennoch edle Sprache übersetzt, mit klarer äußerer Struktur und funktional durchdachtem Innenraum mit Platz für Siebträgermaschine und Kaffeemühle oder eine Kapselmaschine sowie Stauraum für Zubehör werden alle Funktionen in einem kompakten Möbel, das zudem ergonomische Anforderungen und technische Aspekte berücksichtigt, gebündelt. Dunkle Räuchereiche außen und helle Eiche natur im Inneren greifen die Farbwelt gerösteter und ungerösteter Kaffeebohnen auf, Oberflächen und Griffe in unbehandeltem Messing verströmen Café-Atmosphäre.

Mit besonderem Stil und Flair beeindruckt auch „Between the Lines“ von Samuel Rettensteiner. Das vielseitig in vielen Räumen einsetzbare Aufbewahrungsmöbel überrascht mit markantem Einschnitt, der von vorne keine rechten Winkel aufweist und spielerisch in das klare Design integriert wurde, sowie gleichzeitig Sideboard mit Vitrine durch ein Glaselement und den dahinter liegenden Ausschnitt mit Fächern geschickt kombiniert und sowohl Stauraum wie Präsentationsfläche bietet.

Die zwei funktionalen Elemente des Verstauens und Präsentierens bringt Daniel Müller mit„Cosmic Selector“ in Einklang mit meisterlichem Design, orientiert an klassischen Sideboards der Mid-Century-Ära, aber durch präzise Details und moderne Proportionen zeitgemäß interpretiert. Ausgewogene Proportionen, bewusster Materialkontrast und Stauraum für Vinylplatten zeichnen die Plattenkommode aus, die mit klarer Linienführung sowie schlanken Beine leicht und mit schwebender Wirkung daherkommt, während der Mix aus dunkler Nuss und heller Ahorn einen reizvollen Kontrast bildet und die handwerkliche Wertigkeit des Meisterstücks mit charmantem Wechsel zwischen geschlossenen und transparenten Flächen, wodurch das Zusammenspiel von Offenheit und Struktur betont wird.

Klares Design & clevere Funktionalität
 

Ein Abschluss- und Meisterstück zu gestalten, dessen äußeres Erscheinungsbild klar strukturiert und integrierbar in nahezu jeden Wohnraum ist, war der Entwurfsgedanke von Elisabeth Widauer bei „fermé“ und – gedacht, getan – besticht das Möbel durch klare Linien kombiniert mit Rundungen, wirkt unscheinbar und zurückhaltend, und nur die im Mittelpunkt stehende KitchenAid, verrät den Grundgedanken. Hinter dem horizontalen Rollladen offenbart sich der wahre Charakter des Meisterstücks, das zur Aufbewahrung sämtlicher Backutensilien, die in den clever strukturierten Laden rutschfest ihren Platz finden, und zugleich als funktionaler Arbeitsplatz dient sowie mit seinem von der Form der kreisenden Bewegungen eines Rührwerks inspirierten Metallgestell, das den Korpus scheinbar schwebend trägt, ein raffiniertes optisches Highlight in sich trägt.

Funktionalität und Design gehen auch bei „1+1=3 – Eine (Wickel) Kommode“ von Melanie Atzlingerauf faszinierende Weise Hand in Hand. Aus dem Wunsch geboren, ein Möbel zu entwerfen, das mit den Bedürfnissen seiner Nutzer:innen mitwächst und sich dem Alltag anpasst, entstand eine aus drei einzelnen Korpussen bestehende Kommode, die sich mit wenigen Handgriffen in eine Wickelkommode verwandeln lässt, indem die beiden seitlichen Korpusse ausgeklinkt, an der Rückseite wieder eingehängt und um den Winkelaufsatz ergänzt werden. Gehalten in zeitlosem Design, mit klaren Linien und ausgewogenen Proportionen, rotem Linoleum als modernen Kontrast zur warmen Holzoberfläche, sorgen goldene Griffen für einen großen Hauch Eleganz.

Kreativ-kunstvolle Präsentation
 

Der Leidenschaft für Schallplatten und Musik gibt Bianca Herzog-Bauer mit „Soundcraft“ ihren besonderen, durchdachten Platz im Wohnraum. Das Phonomöbel macht Musik bewusst erlebbar und vereint Handwerkskunst, Design und Funktion als harmonisches Ensemble. Die klare, moderne, reduzierte, an der Geometrie des Plattenspielers orientierte Gestaltung erfährt durch den Materialkontrast aus warmem Nussfurnier und farbigen Elementen eine individuelle Note, die runde Griffausfräsung setzt als Verweis auf die Schallplatte einen weichen Akzent, die offene Präsentation der Schallplatten mit transparenten Glaselementen unterstreicht die Leichtigkeit des Entwurfs und macht die Sammlung zu einem integralen Bestandteil des Designs.

Sammeln und Präsentieren ist auch die Kunst, die „Vetrina Quattro“ von Albert Schörkmeier meisterlich beherrscht. Der frisch gebackene Meister hat einen „bespielbaren Bilderrahmen“ kreiert, ein unaufdringliches, durch handwerkliche Details bestechendes Stollenmöbel aus Holz österreichischer Herkunft und bestehend aus einem Präsentations- bzw. Vitrinen-Bereich und zwei Schubladen. Soll derPräsentationsraum wie ein Bilderrahmen, der die Exponate umrahmt, wirken, sind sogar die Griffe als Sonderanfertigungen einer Keramikkünstlerin selbst kleine Kunstwerke.

Leichtfüßiger Handwerks- und Designgenuss
 

Klare Struktur, funktionale Raffinesse und präzise Handwerkskunst vereint Moritz Beck mit „Axis Desk“ zu einem zeitlos-eleganten, leicht anmutenden Möbelstück. Auf Basis des Prinzips der Achsen, das Aufbau, Proportionen und Anordnung der Elemente bestimmt, entsteht ein harmonischer, Ruhe, Ordnung und Leichtigkeit ausstrahlender Gesamtlook und gefertigt aus hochwertigem Vollholz sowie überfurnierten Tischlerplatten, bereichert durch mit Linoleum belegte Schubladenfronten, besticht das Meisterstück mit natürlicher Farbgebung, feiner Maserung und angenehmem Kontrast optisch – und ebenso funktional mit großzügiger Arbeitsfläche sowie auf zwei Glaswänden ruhendem Aufsatzmodul mit zusätzlichem Stauraum und Ablageflächen.

Die gestalterische Idee des „Schwebens“ stand für Tim Degen bei „FlyingWine“ im Zentrum des Entwurfs und so kreierte der kreative Kopf ein Möbelstück, das diesen Eindruck durch filigrane Metallfüße sowie die reduzierte Verbindung zwischen Korpus und Arbeitsplatte erzeugt – ein Effekt, der durch die auf Plexiglas präsentierten Weinflaschen verstärkt wird. Optisch faszinierend, lässt sich das Möbel flexibel als Raumteiler oder wandseitig und dadurch in unterschiedlichen Wohnsituationen einsetzen, dient durch seine Höhe zusätzlich als Arbeitsfläche und dank integrierter Barfunktion für Genussmomente.

Diese stecken auch in „Eichenherz“ von Vanessa Kutrowatz, einem Barschrank, der Platz für Gläser, Flaschen und Kleinutensielien bieten. Bezieht sich der Name sowohl auf das verwendete Material wie symbolisch auf die Fasslagerung vieler edler Spirituosen, die in Eichenholz reifen, avanciert das Möbel damit selbst zu einem Sinnbild für Reife, Qualität und Genuss – und das „Herz“ des Wohnraums, von Begegnung und Geselligkeit.

Durchdacht & dekorativ
 

Ein solcher Ort ist traditionell die Küche und wie eine Küchenmaschine modern und kreativ seinen festen Platz in vielen Küchen findet, zeigt Georg Grübler mit „Aid-Station - Ein Küchenmaschinen Möbel“.Nomen est omen, fungiert die Kreation einerseits als Arbeitsstation für die Küchenmaschine und andererseits als Aufbewahrungsort für die verschiedenen Zubehörteile und Aufsätze, die durch arretierbare Tablarauszüge leicht und ergonomisch zugänglich sind. Als freistehendes Stück auf einem Fußgestell konzipiert, orientiert sich die Gestaltung sich formal an den typischen Designelementen des Geräts, bietet Stauraum und überzeugt sowohl funktional wie optisch – auch als dekoratives Highlight.

Dekorativ und kreativ sorgt Anja Wagner mit „Linea Verde“ stilvoll für frische Lebendigkeit. Das Pflanzenmöbel dient der Integration der Pflanzenaufzucht in den Wohnraum, die durch die an eine Kommode angelehnte Form, eine klare Linienführung und den integrierten Glasbereich sichtbar ist, ohne den wohnlichen Charakter zu stören. Funktionalität, Stauraum und Ästhetik vereinend, ist das Meister- und Abschlussstück eine formschöne Alternative zu konventionellen Aufzuchtboxen und kann zudem als Wohnmöbel eingesetzt werden.

Den perfekten Rahmen für Lesefreuden bildet „Dualis“ von Flora Wollersberger. Ein Regal zur Aufbewahrung und Präsentation in klarer, zeitgemäßer Formensprache, das im Wohn- wie Arbeitsbereich eine ruhige, geordnete Atmosphäre schafft, gepaart mit ergonomischen Überlegungen und einer ausgewogenen Gliederung von offenen und geschlossenen Bereichen sowie die Verbindung traditioneller handwerklicher Konstruktion mit reduzierter moderner Gestaltung war die Intention – und steckt in dem funktionalen Lesemöbel mit bewusst gewählter Material- und Oberflächengestaltung.